Schon bemerkenswert, wenn sich die Experten von Öko-Test als allererstes entschuldigen. „Das tut uns wirklich leid“, schreiben sie. Denn sie hätten im Advent gerne erfreulichere Neuigkeiten. Etwa, dass man Schoko-Nikoläuse und -Weihnachtsmänner, unabhängig von Preis oder Marke, guten Gewissens genießen könne. Es kam aber anders: „Leider sind in unserem Test alle Exemplare der beliebten Weihnachtssüßigkeit mehr oder weniger stark mit Mineralölbestandteilen MOSH verunreinigt, drei sogar mit besonders bedenklichen MOAH.“ Zur großen Gruppe dieser aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffe gehören laut Testern auch Substanzen, die krebserregend sind und erst jüngst auch in vielen Buttersorten gefunden wurden.
Diese drei Schokoladenmänner bekommen von den Testern sprichwörtlich die Rute – nämlich das Testergebnis „mangelhaft“. Wobei sie noch leicht unter dem von der EU-Kommission festgelegten Richtwert liegen. Aber Öko-Test sagt: „Wir meinen: Für krebserregende Stoffe gibt es keine sicheren Mengen.“

Auch ein Bio-Produkt mit MOAH belastet

Betroffen ist auch eine Bio-Marke: der Alnatura Vollmilch Weihnachtsmann (3,13 Euro, jeweils pro 100 Gramm). Dazu kommen die Exemplare von Hachez (5,24 Euro) und Wawi (1,75 Euro). Die schlechteste Note kassierte zusätzlich der vegane Weihnachtsmann von Riegelein (2,27 Euro), weil seine MOSH-Werte besonders hoch sind.
MOSH sind gesättigte Kohlenwasserstoffe, die sich im Körper anreichern. Was sie dort bewirken, ist allerdings noch nicht ausreichend erforscht. Für diese Mineralölverunreinigungen gibt es bisher keine Grenzwerte, lediglich Richtwerte der Industrie, die Öko-Test als viel zu lasch bezeichnet. Die Verunreinigungen passieren zumeist durch Schmieröl beispielsweise an Erntemaschinen oder beim Transport in Jutesäcken, die damit verunreinigt sind.

Milka und Netto-Eigenmarke erhalten die Note „gut“

Doch auch wenn die Tester in allen getesteten Schoko-Männern Mineralölspuren fanden, schnitten auch einige gut ab. Im Bio-Bereich sind darunter unter anderem der Weihnachtsmann von DM (2,44 Euro) und der Bio-Fairtrade-Mann von Riegelein (3,05 Euro). Sonst ist laut den Testern auch die Version von Milka (2,42 Euro), der vegane Santa von Lindt (4,49 Euro), aber auch der günstige Santa Claus von Netto (0,60 Euro) noch „gut“. Weitere Eigenmarken-Produkte von Aldi (0,50 Euro), Kaufland (1,15 Euro), Lidl (0,60 Euro) oder Rewe (0,99 Euro) schlossen den Test mit „befriedigend“ ab, ebenso wie der klassische Weihnachtsmann von Lindt (3,71 Euro) oder von Ferrero-Kinder (2,71 Euro).
Darüber hinaus freuten sich die Tester darüber, dass keiner der Weihnachtsmänner nennenswerte Aluminium-Rückstände aufwies. „Ein Kind mit einem Körpergewicht von 30 Kilogramm müsste pro Woche – je nach Gewicht der Schoko-Figuren – schon mindestens 14, in Einzelfällen sogar mehr als 200 Exemplare verdrücken, um die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) festgelegte maximal tolerierbare Aufnahmemenge auszuschöpfen. Die Eltern unter Ihnen wissen: Das schaffen auch die willensstärksten Nachwuchs-Naschkatzen nicht“, schreiben sie.
Und noch ein positiver Aspekt: Die meisten Unternehmen gaben an, weder Preise noch Gewicht verändert zu haben.

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160 Millionen Schoko-Männer produziert

Im Jahr 2021 produzierte die deutsche Süßwarenindustrie laut BDSI rund 160 Millionen Schokoladen-Weihnachtsmänner und -nikoläuse. Rund 57 Millionen davon wurden in andere Länder exportiert. Beim Kauf von Schokoladen-Weihnachtsmännern legen 41 Prozent der Verbraucher Wert auf die Marke des Produkts, ergab eine YouGov-Umfrage. 19 Prozent achten vor allem auf den Preis. Vielen, insgesamt 36 Prozent, war jedoch Marke und Preis in etwa gleich wichtig. Dabei ist Milka mit 60 Prozent bei den Deutschen am beliebtesten, dicht gefolgt von Lindt mit 58 Prozent. Ferrero mit der Marke Kinder kommt noch auf 34 Prozent.