Eine Notfallwarnung auf dem Handy kann einen etwas verunsichern. „Monatlicher Test für Notfallbenachrichtigung“ steht da und das Mobiltelefon gibt seltsame Laute von sich. Auch eine englischsprachige, später deutsche Frauenstimme ist zu hören. Am Dienstag kam es in Ulm zu solchen Test-Warnungen. Dabei wird darauf hingewiesen, dass es sich um eine Erprobung handelt und das Handy möglicherweise nicht „aktuellen Softwarestand“ befindet und man sich an den Gerätehersteller wenden soll. Allerdings kamen die Nachrichten immer wieder.
Das ist etwas überraschend. Zwar sollen alle Besitzer eines Mobiltelefons in Deutschland mit einer SMS über das neue Katastrophen-Warnsystem Cell Broadcast informiert werden. Das teilten die Mobilfunk-Provider Vodafone, Deutsche Telekom und Telefónica (O2) bereits vor Tagen mit. Die Erläuterungen der Provider beziehen sich aber auf den geplanten bundesweiten Warntag am 8. Dezember, an dem das neue Warnsystem erstmals in allen 294 Landkreisen und 107 kreisfreien Städten in Deutschland getestet werden soll.

Nachricht ignorieren

Aber anscheinend kommen auch schon zuvor Tests auf Handys an. „Please ignore the message“ (Bitte ignorieren Sie diese Nachricht), heißt es da etwas widersinnig. You can find more information at (Sie finden mehr Informationen unter) http://www.bbk.bund.de/cellbroadcast“. Auf der Seite des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe steht dann der Hinweis: „Mit der in Deutschland jetzt neu eingeführten Technik Cell Broadcast werden Warnungen an viele Mobilfunkgeräte in einem Gefahrengebiet geschickt. Aus technischen Gründen können rund die Hälfte aller Handys in Deutschland Warnungen über Cell Broadcast empfangen. Erstmalig wird am 8. Dezember dafür eine Probewarnung durchgeführt.“

Keine App notwendig

Bei dem System werden Nachrichten wie Rundfunksignale an alle kompatiblen Geräte geschickt, die in einer Zelle eingebucht sind – daher der Name Cell Broadcast. Im Gegensatz zu anderen Warnsystemen wie Nina oder Katwarn muss man keine App haben, um alarmiert zu werden. Man muss auch keine Mitteilungs-App für das Lesen von SMS öffnen, da der Warntext ohne Zusatz-Anwendung auf dem Bildschirm erscheint. Mit dem Eintreffen des Warntextes ertönt auch ein lautes Tonsignal.
Anlass für die Einführung von Cell Broadcast in Deutschland waren die heftigen Unwetter in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz im Juli 2021, bei denen es über hundert Tote gab. Die Flutkatastrophe hatte gezeigt, dass die Warn-Apps und klassischen Sirenen nicht ausgereicht haben, um die Bevölkerung flächendeckend vor der Gefahr zu warnen. In anderen EU-Staaten ist Cell Broadcast bereits im Einsatz.

Unglück im Ahrtal

Nach dem Unglück im Ahrtal und anderen betroffenen Gegenden entzündete sich eine Diskussion, warum die Einführung von Cell Broadcast so viel Zeit in Anspruch nimmt. Allerdings hatte der Gesetzgeber den beteiligten Providern und Smartphone-Herstellern eine Frist bis zum Februar 2023 eingeräumt, um das Warnsystem technisch umzusetzen.
Damit die Menschen in Deutschland die Warnhinweise empfangen können, muss ein Handy oder Smartphone, das mit Cell Broadcast kompatibel ist, eingeschaltet und empfangsbereit sein. Bei den Smartphones von Apple wird das Warnsystem mit allen Geräten ab dem iPhone 6s aufwärts funktionieren, sofern ihr Betriebssystem auf dem jeweils neuesten Stand ist (derzeit iOS 16.1 oder 15.7.1 und 15.6.1). Geräte mit dem Google-Betriebssystem Android sind von der Android-Version 11 an aufwärts kompatibel. Schätzungsweise ein Drittel aller Android-Smartphones läuft allerdings mit einer älteren Version, die kein Cell Broadcast empfangen kann.
Bei manchen Geräten muss der Cell-Broadcast-Empfang noch manuell aktiviert werden. Beim iPhone findet man die Einstellungen über den Menüpunkt „Mitteilungen“ ganz unten in der Rubrik „Cell Broadcast Alerts“. Auf Android-Geräten findet man die Einstellungen in der Regel über ein Untermenü wie „Sicherheit und Notfall“ im Einstellungen-Menü. Die Rubrik zum Ein- und Ausschalten der Nachricht heißt dann je nach Hersteller „Drahtlose Notfallwarnungen“ oder „Notfallbenachrichtigungen für Mobilgeräte“.