Tja, wie soll man das Ding nennen, das da steht? Menschen-Transporter? Ein nicht besonders netter Name. Dabei ist das Gefährt mit seinem kantigen Bau aber auch nicht besonders hübsch. Irgendwie ist es die Latzhose unter den Autos: praktisch, bequem, alternativ, hässlich. Shuttles sind dennoch ein Highlight der Messe CES in Las Vegas.

Zulieferer ZF etwa will mit einem lenkrad- und pedallosen Mini-Bus neue Mobilitätsformen in der Stadt ermöglichen. „Der zunehmende Personen- und Gütertransport in Ballungszentren verlangt nach Automatisierung, Elektrifizierung und Vernetzung“, sagt Torsten Gollewski, Leiter Vorentwicklung bei ZF. In Deutschland steht jedes Auto im Schnitt 95 Prozent seiner Zeit unbewegt herum. Der Minibus dagegen kann 24 Stunden ohne Fahrer unterwegs sein. Wird das Fahrzeug über ein mobiles Endgerät bestellt, fährt es autonom vor und setzt den Passagier individuell ab.

Gemeinsam einen Film schauen

Auch Zulieferer Bosch hat sich der Shuttle-Welt verschrieben und den Innenraum seines Konzeptfahrzeugs für vier Fahrgäste konzipiert, die einander gegenüber sitzen. Bildschirme im Auto lassen sich gemeinsam nutzen. Nach Bosch-Vorstellungen kann eine Familie so beim Ausflug am Wochenende gemeinsam einen Film schauen oder Kollegen auf dem Weg ins Büro an einer Präsentation arbeiten.

„Die Vision heißt emissionsfreie, unfallfreie und stressfreie Mobilität“, sagt Markus Heyn, Mitglied der Geschäftsführung des Stuttgarter Unternehmens. Zum persönlichen Assistenten wird das Shuttle mit dem Concierge-Service. Er versorgt einen mit Empfehlungen, Reservierungen, Wetterberichten und Reisehinweisen. Ein Algorithmus erkennt, welches Shuttle wen am schnellsten abholen kann und wer eine ähnliche Strecke fahren will.

Die Nummer drei im Bunde ist Continental, die ihren „Cube“ bereits auf dem Campus einer Universität getestet haben. Die Technik basiert in vielen Bereichen auf Komponenten von Fahrerassistenzsystemen, wie sie bereits heute in Serienfahrzeugen verbaut sind. Sie könnten einen oder mehrere Lieferroboter befördern, damit diese Waren und Pakete zustellen, heißt es in Las Vegas. Auch Zulieferer Schaeffler hat eine Plattform für unterschiedlichste Fahrzeugkonzepte wie Robo-Taxis oder autonome Transportfahrzeuge entwickelt.

Auffallend ist, dass die Autozulieferer mit den Entwürfen ihre Auftraggeber attackieren: die Autohersteller. Früher galt dies als Tabu. ZF hatte vor wenigen Jahren zwar mal mit dem Prototyp Advanced Urban Vehicle gezeigt, was so alles möglich ist und damit einen Weltrekord für den kleinsten Wendekreises aufgestellt – gleichzeitig aber klar gemacht, dass dieser keine Konkurrenz für VW, Daimler und Co. darstellen soll. Dies ist jetzt mit dem „e.GO People Mover“ anders. ZF will fünfstellige Stückzahlen davon im Jahr bauen und hat mit dem Mobilitätsanbieter Transdev auch einen ersten Kunden gewonnen, wie die Friedrichshafener nun bekannt gaben.

Vermutlich ist dies ein lukrativer Markt. Laut Unternehmensberater Roland Berger werden im kommenden Jahr weltweit eine Million dieser Shuttlebusse verkauft, 2025 sollen es 2,5 Mio. sein. Die Autozulieferer haben sich viel Digital-Wissen erarbeitet und binden dies in ein digitales Geschäftsmodell ein. In jedem neuen Auto etwa stecken durchschnittlich neun Bosch-Chips.

Vielleicht werden die Zulieferer sogar wichtiger als ihre heutigen Auftraggeber: Während Autobauer Blech biegen, produzieren Zulieferer Sensoren, Software und Stromantriebe. Bosch reitet auf mehreren Wellen und hat mit Daimler und der Stadt San José im Silicon Valley eine Absichtserklärung zur Entwicklung eines Fahrsystems für vollautomatisiertes und fahrerloses Fahren unterzeichnet, das bis Anfang der kommenden Dekade serienreif sein soll. Das Stiftungsunternehmen zeigt auf der CES ein Komplett­angebot an Mobilitätsdiensten wie das Buchen der Fahrzeugen oder die Parkplatzsuche.

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht Robo-Taxen in China in drei Jahren im Einsatz. Unternehmen wie Waymo von Google, aber auch Apple oder die GM-Tochter Cruise buhlen um 72 Mio. selbstfahrender Taxis 2035, die laut Boston Consulting 1,57 Billionen € wert sein sollen.

500 Millionen Euro für hochautomatisierte Lkw


Daimler will bis 2025 sogenannte hochautomatisierte Lastwagen auf den Markt bringen und investiert hierfür in den kommenden Jahren eine halbe Milliarde Euro, teilte der Fahrzeughersteller auf der Messe CES mit. Dafür sollen 200 Stellen in den USA und Deutschland geschaffen werden. 2019 will Daimler seinen ersten teilautomatisierten Lastwagen in den USA auf die Straße bringen, der selbstständig bremsen, beschleunigen und lenken kann.

Audi möchte die Passagiere auf dem Rücksitz eines Autos in eine virtuelle Unterhaltungswelt eintauchen lassen. In Las Vegas stellte der Autobauer eine Plattform vor, mit der Virtual-Reality-Filme, Videospiele und interaktive Inhalte erlebt werden können. Dabei wird die VR-Brille mit dem Fahrzeug gekoppelt, so dass die virtuellen Inhalte in Echtzeit an die Fahrbewegungen angepasst werden können. vt

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