Stuttgart Windreich GmbH: Willi Balz führte die Gruppe in die Pleite

Der Gründer und ehemalige Geschäftsführer der Windreich GmbH, Willi Balz, hofft, dass es mit dem Unternehmen weiter geht.
Der Gründer und ehemalige Geschäftsführer der Windreich GmbH, Willi Balz, hofft, dass es mit dem Unternehmen weiter geht. © Foto: dpa
Stuttgart / OLIVER SCHMALE 06.05.2014
Willi Balz steht vor den Trümmern von "Windreich". Die Firmengruppe entwickelte Windparkanlagen auf hoher See und sammelte dafür Geld ein. Jetzt hat der Insolvenzverwalter das Sagen.

Die Ermittlungen der Stuttgarter Staatsanwaltschaft in Sachen Windreich laufen seit über einem Jahr. Die Auswertung der Daten wird noch Monate, wenn nicht sogar Jahre in Anspruch nehmen. Denn: 1.700 Papierasservate und 5 Terrabyte an elektronischen Daten müssen gesichtet werden. Immerhin wird gegen Firmengründer Willi Balz, den ehemalige Wirtschaftsminister und Windreich-Vorstand Walter Döring sowie andere wegen des Verdachts der Bilanzmanipulation ermittelt. Die ins Visier der Staatsanwaltschaft geratenen Personen wiesen die Vorwürfe mehrfach zurück und beteuerten ihre Unschuld.

Balz kämpft um den Erhalt seiner Firmengruppe. Aktuell hat dort der Insolvenzverwalter das Sagen. In einem umfassenden Bericht, in den die SÜDWEST PRESSE Einblick hatte, werden zahlreiche Gründe als Ursachen für die Pleite des Projektentwicklers für Windparks auf hoher See aufgezählt. Neben den allgemeinen Schwierigkeiten der Branche für die Investoren werden auch mehrere "interne Insolvenzursachen" genannt.

Da ist die Rede von einer "fehlenden Organisationsstruktur für ein Unternehmen mit einem Umsatz von über 100 Mio. EUR". Bei dem in Wolfschlugen ansässigen Betrieb war alles auf den Firmengründer Balz zugeschnitten. Er hatte das letzte Wort. So wird auch ein "fehlendes Controlling" bemängelt sowie generell die Führungsstruktur.

Aufsichtsrat und Management besetzte Balz gerne mit großen und prominenten Namen: So zogen einst unter anderem der Boss des Maschinenbauers Festo, Eberhard Veit, in den Aufsichtsrat ein. Auch der ehemalige baden-württembergische Wirtschaftsminister und einstige FDP-Bundesvize Walter Döring bekam einen Posten. Zuletzt gelang es Willi Balz, einen Super-Promi für das Kontrollgremium zu ködern: die ehemalige Tagesthemen-Moderatorin Sabine Christiansen, die sich im Bereich Nachhaltigkeit vielfach engagiert.

Für weiteres Aufsehen hatte das Engagement des ehemaligen Top-Managers Karl-Gerhard Eick gesorgt. Er sollte die Finanzen bei dem hochverschuldeten Windparkentwickler in Ordnung bringen. Sein Gastspiel war nur von kurzer Dauer. Zu den ganzen Personalien stellt der Bericht des Insolvenzverwalters in zwei dürren Zeilen fest: "Es gab in der Vergangenheit in regelmäßigen Abständen Wechsel im Top-Management, die sich nachhaltig schlecht auf die Kontinuität der Führung auswirkte."

Schließlich sind unter anderem gleichfalls die starken "Verzögerungen bei der Umsetzung des Projektes MEG 1" mit Schuld für die Schieflage des Unternehmens mit einst über 100 Mitarbeitern gewesen. Durch die Probleme bei dem Meereswindpark in der Nordsee entstanden dem hoch verschuldeten Mittelständler weitere belastende Kosten. "Andererseits fehlt der dringend benötigte Kapitalzufluss aus dem Verkauf des zu 100 Prozent bei der Schuldnerin selbst liegenden Projektes."

Die Durchsuchung der Staatsanwaltschaft rückte das Unternehmen auch nicht unbedingt in das beste Licht. Auch in der Folge sei nochmals versucht worden, durch Überbrückungsfinanzierungen die Restrukturierung einzuläuten, was allerdings nicht gelungen sei.

Die Gläubiger haben Forderungen in Höhe von 366 Mio. EUR beim Insolvenzverwalter angemeldet. Neben den Zeichnern der beiden Anleihen - Balz hatte sich an der Börse 125 Mio. EUR besorgt - sind es vor allem Banken, die ihr Geld zurückhaben wollen. Alleine das schweizerische Nobelinstitut J. Safra Sarasin hat Windreich 70 Mio. EUR Kredit gewährt. Laut Balz hat das Institut auch den Insolvenzantrag gegen ihn beim Amtsgericht Esslingen gestellt. Auf Anfrage wollte sich das Institut nicht äußern. Es steht nämlich gleichfalls in der Kritik. Es soll Anleger nicht entsprechend auf mögliche Interessenkonflikte hingewiesen haben, als es ihnen Windreich-Papiere zur Anlage empfahl.

Von grünen Ideen zu roten Zahlen: Die Zukunft des Unternehmens ist völlig offen. Alles hängt davon ab, ob es dem Insolvenzverwalter gelingt, einen Käufer für den Windpark MEG 1 zu finden. Dann könnten Windreich rund 120 Mio. EUR an liquiden Mitteln zufließen.

"Ein Teil dieses, durch die erfolgreiche Anteilsveräußerung entstehenden Übererlöses" könnte auch zur Unternehmensfortführung der Schuldnerin sowie zur Finanzierung weiterer laufender, potentiell Erlös generierender Projekte verwendet werden", heißt es in dem Bericht.

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