Berlin Wie Führungskräfte von Business-Coaches profitieren können

Berlin / ALEXANDER BÖGELEIN 10.01.2015
Sie stehen unter Druck, sollen auf alles sofort ein Antwort wissen. Dabei bewegen sich Führungskräfte und Teamleiter oft in einem schwierigen Umfeld. Die Zusammenarbeit mit einem Coach kann helfen.

Manche Situationen in der Arbeit eines Personalcoaches sind ausgesprochen heikel. Die selbstständige Beraterin Petra Hoffmann aus Ludwigsburg kann sich noch gut an ihren bisher schwierigsten Einsatz erinnern: "Das war ein Unternehmen, das Sozialkompetenz mit einem Kuschelkurs verwechselt hat. Kritisches, aber notwendiges Feedback fand kaum statt. Dadurch entstanden viele andere Konflikte", erzählt die promovierte Psychologin. Also ging es darum, dem Geschäftsführer den Spiegel vorzuhalten, kritisch, aber wertschätzend - vor den Führungskräften. Kritik am eigenen Auftraggeber. Und das vor Publikum! Doch der freiberuflichen Trainerin ging es auch um ihre Glaubwürdigkeit. Daher schlüpfte sie in die Rolle des Hofnarren und präsentierte zwölf provokative Thesen. "Ziel war, durch mein Beispiel das Selbstwertgefühl der Führungskräfte zu stärken und ihnen zu zeigen, dass sie das auch dürfen", sagt Hoffmann. "Das war eine Gratwanderung, aber sie ist gut gegangen."

Die Rolle des Hofnarren einzunehmen, unverblümt Feedback zu geben, ist nach den Worten von Christopher Rauen nur eine von vielen Anforderungen, die Coaches erfüllen müssen. Rauen ist Vorsitzender des Deutschen Bundesverbands Coaching. Seiner Einschätzung nach bestehen in Deutschland immer noch viele Vorurteile, etwa dass eine solche Begleitung und Beratung im Beruf Nachhilfe für Leistungsschwache sei. "Das ist falsch. Coaching hilft guten Führungskräften, noch besser zu werden."

In anderen Ländern wie Großbritannien oder Skandinavien werde Coaching mehr akzeptiert. Die Vorbehalte in Deutschland haben nach seinen Worten auch mit althergebrachtem Führungsverständnis und Rollenbildern zu tun. Dabei sind die Aufgaben für Führungskräfte - sei es in der Wirtschaft, der Politik oder sozialen Organisationen - so vielschichtig wie nie zuvor. Die Erwartungen an sie sind riesig: Sie sollen alles wissen, auf alles eine Antwort haben, keine Fehler machen, Vorbild sein, souverän auftreten. "Eine Führungskraft kann nicht sagen: Ich muss lernen. Ansonsten heißt es gleich: Der weiß es nicht", sagt Rauen. Überdies, so merkt er an, verwechseln viele Manager ihre Rolle im Unternehmen mit ihrer Person. Das führe immer wieder zu bedenklichen charakterlichen Veränderungen, wie der Fall des ehemaligen Arcandor-Chefs Thomas Middelhoff zeige.

Das Gros der Führungskräfte steckt in der typischen Alltagsfalle: Die täglichen Aufgaben lassen kaum Raum und Zeit für grundlegende Gedanken. Das Dringende verdrängt das Wichtige. Um den Kopf frei zu bekommen für Führungsthemen, sei es wichtig, sich immer wieder aus diesem Hamsterrad herauszunehmen und mit Distanz auf Abläufe, Aufgaben und Herausforderungen zu schauen, betont Hoffmann. Dabei kann ein Coach in vielen Bereichen hilfreich sein, sei es in der Selbstorganisation, in akuten Konfliktsituationen oder wenn eine Führungskraft lernen muss, Kritik zu üben ohne das Gegenüber zu demotivieren.

Viele Führungskräfte sind auch innerlich zerrissen - und auf der Suche nach Balance. Im Beruf dominiere das Prinzip des Machens und der Stärke, das erfolgreiche Meistern von Aufgaben, das Festhalten an Erreichtem. Darüber gehe leicht der Zugang zur eigenen Mitte verloren. Die Folge: Sinnkrisen nach dem Motto "Ich weiß, was ich kann, aber nicht, wer ich bin", sagt Beraterin Hoffmann.

Über solche Themen zu reden, ist im Betrieb schwierig. Es gibt das Phänomen der Einsamkeit an der Spitze von Unternehmen und Organisationen. Zudem haben viele Führungskräfte häufig nur noch Leute um sich, die ihnen nach dem Mund reden. Vor diesem Hintergrund ist der Austausch mit einem neutralen, kompetenten Gesprächspartner in einem geschützten Raum wichtig. Coaches dienten als Sparringspartner, betont Rauen.

Der Verbandschef rät, bei der Auswahl eines Coaches kritisch zu sein und warnt vor vermeintlichen Alleskönnern: "Gute Coaches sind spezialisiert." Daher sei es wichtig sich mehrere Angebote einzuholen. Jedem Klienten müsse bewusst sein, dass der Coach dabei helfe, die jeweils subjektiv beste Lösung zu finden. "Jeder Kunde bestimmt Geschwindigkeit und Tiefe des Gesprächs - und bleibt selbst verantwortlich - für das, was er tut und was er lässt", erklärt Hoffmann. Coaches bieten Lösungen an, öffnen Türen. "Durchgehen muss der andere schon selbst."

Kolumne "Tipps für den Job-Alltag"

Der Markt In Deutschland gibt es nach Angaben des Bundesverbands Coaching etwa 8000 bis 9000 Business-Coaches. Sie erzielten Schätzungen zufolge zuletzt einen Jahresumsatz von 350 Mio. EUR. Die Branche wächst kontinuierlich, pro Jahr zwischen 5 und 10 Prozent.

Freiberufliche Trainerin Petra Hoffmann aus Ludwigsburg ist seit 1998 selbstständige Beraterin und Coach für Führungskräfte. Sie hat Pädagogik, Psychologie und Germanistik studiert. Ihre Schwerpunkte sind Führung, Kommunikation,Personalentwicklung, Konfliktmanagement und Selbstorganisation. Demnächst gibt sie unseren Lesern in einer Kolumne Tipps für den Job-Alltag. Ihre Erfahrungen hat sie in ein Buch einfließen lassen: Dr. Petra Hoffmann, "Auf Leistung getrimmt - Dem Hamsterrad entkommen", Pro Business Verlag, 2013, 19,80 Euro.

 

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