Nun ist es offiziell: Die Ökostrom-Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) beträgt im kommenden Jahr 6,354 Cent pro Kilowattstunde Strom. Für einen Vier-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von 4000 Kilowattstunden pro Jahr bringt der Anstieg um 3 Prozent Mehrkosten von knapp 9 EUR inklusive Mehrwertsteuer mit sich.

Was ist die EEG-Umlage? Die seit dem Jahr 2000 erhobene Umlage finanziert den Ausbau der erneuerbaren Energien. Hintergrund ist die Verpflichtung der Übertragungsnetzbetreiber, angebotenen Strom aus erneuerbaren Energien nicht nur abzunehmen, sondern auch weitgehend zu festen Preisen zu vergüten. Die Netzbetreiber verkaufen den Strom dann an der Börse. Die Differenz zwischen den Vergütungssätzen und dem Börsenpreis soll mit der EEG-Umlage ausgeglichen werden.

Wer bezahlt die Umlage? Grundsätzlich alle Stromverbraucher. Allerdings gibt es Ausnahmen: Unternehmen aus bestimmten Branchen, die besonders viel Strom verbrauchen, bekommen auf Antrag Rabatt. Dahinter steckt der Gedanke, dass die deutsche Industrie durch die Energiewende keine Wettbewerbsnachteile gegenüber der internationalen Konkurrenz erleiden soll. Ermäßigungen können zum Beispiel Holz- und Papierhersteller bekommen sowie Firmen aus dem Steinkohlebergbau, aber auch Schlachtbetriebe und Fruchtsafthersteller. Eisenbahnfirmen sind ebenfalls begünstigt. Privatkunden können keinen Rabatt bekommen.

Wer legt die Höhe fest? Zuständig sind die Betreiber der Stromübertragungsnetze - 50Hertz, Amprion, Tennet und Transnet BW, die die Übertragungsnetze in Baden-Württemberg betreibt. Sie erstellen jedes Jahr eine Prognose dazu, wie viel Geld sie voraussichtlich im nächsten Jahr an die Erzeuger von Ökostrom zahlen müssen und wie viel sie für diese Energie an der Strombörse bekommen. Auch weitere Größen wie der Gesamtstromverbrauch und der Bau neuer Ökostromanlagen werden geschätzt. Schließlich spielt noch das sogenannte EEG-Konto eine Rolle. Auf dieses fließen die eingenommene EEG-Umlage und die Einnahmen aus dem Verkauf den Ökostroms, die Zahlungen an die Stromerzeuger gehen hiervon ab. Ende September lag das Konto mit rund 2,5 Mrd. EUR im Plus. Aus dem Zusammenspiel aller Faktoren berechnen die Netzbetreiber die EEG-Umlage für das nächste Jahr. Die Bundesnetzagentur muss kontrollieren, ob die Ermittlung ordnungsgemäß abläuft.

Welche anderen Abgaben müssen Stromkunden bezahlen? Beim Strom machen die eigentlichen Energiekosten nur etwa ein Viertel des Endpreises aus: 23,8 Prozent entfallen laut Bundesnetzagentur auf die Strombeschaffung, den Vertrieb und die Gewinnmarge des jeweiligen Anbieters. Der Einkaufspreis wird maßgeblich von der Leipziger Strombörse bestimmt, dem wichtigsten Handelsplatz in Europa. Dieser Bestandteil kann bei einzelnen Lieferanten unterschiedlich ausfallen. 23 Prozent des Strompreises entfallen auf das Entgelt für die Netznutzung. Staatliche Abgaben machen den wichtigsten Kostenblock aus, dabei ist die EEG-Umlage mit 22 Prozent der größte Posten. 2,3 Prozent des Preises sind Entgelte für die Messung des Stromverbrauchs und die Abrechnung. Schließlich kommen Mehrwertsteuer und Stromsteuer hinzu.

Kommentar von Niko Frank: Gabriels Schönrederei

Nichts wird es mit der Begrenzung der Kostensteigerungen für die Ökostrom-Förderung. Etwas anderes war bei Lichte besehen freilich auch nicht zu erwarten. Wer trotzdem geglaubt hatte, mit der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) bekäme Schwarz-Rot dieses Problem in den Griff, dürfte jetzt schwer enttäuscht sein. Gegen den Treibsatz, der in der Grundkonstruktion der EEG-Abgabe liegt, ist nämlich kein Kraut gewachsen: Drückt ein wachsendes Angebot von Strom aus erneuerbaren Quellen an der Börse die Preise für elektrische Energie nach unten, dann werden automatisch höhere Ausgleichszahlungen an die Betreiber von Windmühlen und Photovoltaikanlagen fällig. Denn sie bekommen eine garantierte Einspeisevergütung.

Es ist höchste Zeit, dass dieser Zwangssubventionierung von Eigenheimbesitzern, Landwirten, Anteilseignern von Bioenergie-Genossenschaften, von Stadtwerken oder Stromkonzernen durch die Verbraucher ein Riegel vorgeschoben wird. Leider bleibt das so lange Wunschdenken, wie Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel dieses Ärgernis schönredet, indem er über eine stabile EEG-Umlage schwadroniert. Auf die Schnelle bleibt den Verbrauchern daher nur der Ausweg eines Wechsels zu einem günstigeren Stromanbieter.