Frankfurt Werden Kredite teurer?

Frankfurt / JÖRN BENDER, DPA 12.07.2012
Bankenabgabe, "Basel III", Bonitätsdruck: Die Regulierungswelle kommt Banken teuer zu stehen. Dies könnte sich in höheren Kreditzinsen niederschlagen. Darunter würden auch Familienunternehmen leiden.

Geld in Europa ist günstig wie nie - Zeit für Kredite XXL? Aus Verbrauchersicht mag die Gleichung aufgehen. Zur Finanzierung von Haus oder Auto locken aktuell rekordverdächtige Angebote. Allerdings könnten Firmen- wie Privatkunden wegen der Regulierungswelle schon bald mehr für geliehenes Geld zahlen müssen.

"Kredite werden sowohl für Unternehmen als auch für Verbraucher teurer", sagt der Münchner Ökonom Christoph Kaserer, Professor für Finanzmanagement und Kapitalmärkte an der TU München. Allein die Tatsache, dass Banken von 2013 an deutlich dickere Eigenkapitalpuffer vorhalten müssen ("Basel III"), dürfte nach seinen Hochrechnungen Kredite um 0,3 bis 0,5 Prozentpunkte verteuern. Rechne man dazu, dass Banken in Deutschland auch noch in einen Krisenfonds einzahlen müssen, könnten sich zusätzliche Kreditkosten für Unternehmen von bis zu 5 Mrd. EUR pro Jahr ergeben - gemessen am Volumen inländischer Unternehmenskredite von rund 500 Mrd. EUR.

Eine Commerzbank-Umfrage unter 4000 Mittelständlern in Deutschland bestärkt diese Sicht: 80 Prozent der Unternehmer glauben demnach, dass durch "Basel III" der Zugang zu Krediten erschwert wird, 77 Prozent sind überzeugt, dass Kreditkonditionen schlechter werden.

Viele Familienunternehmen spüren bereits: "Die Anforderungen an die Bonität von Kreditnehmern und an die Transparenz von unternehmerischen Geschäftsprozessen sowie an bereitgestellte Sicherheiten sind in den vergangenen Jahren beträchtlich gestiegen." So zu lesen in einer im Mai veröffentlichten Studie des Instituts für Mittelstandsforschung (Bonn) im Auftrag von BDI und Deutscher Bank.

Wichtige Säule der Finanzierung bleibt trotz höherer Hürden der Bankkredit. Für fast die Hälfte (45,3 Prozent) der in der Bonner Studie befragten 408 Unternehmen sind Bankkredite von hoher bis sehr hoher Bedeutung.

"Dafür, dass das Bankensystem stabiler wird, müssen wir einen Preis zahlen. Und das heißt unter anderem: höhere Kreditkosten. Das ist aber verkraftbar", meint Kaserer. "Was natürlich niemand vorhersehen kann ist: Wie stark werden Banken die höheren Kosten an ihre Kunden weitergeben?"

Die Antwort des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) darauf fällt vage aus: "Regulierung ist definitiv ein Kostenfaktor. Es lässt sich aber schwer sagen, wie sich das auf die Kreditkosten auswirken wird, das ist eine Frage des Wettbewerbs." In einem Papier zur Lage der Unternehmensfinanzierung wird der BdB etwas deutlicher: "Insbesondere in der Kreditfinanzierung von Unternehmen und Kommunen führt die neue Situation zu Einschränkungen und auf Dauer zu deutlich steigenden Anforderungen für die Kunden."

Das extrem billige Geld der Europäischen Zentralbank (EZB) entschärft die Situation zumindest vorübergehend. "Kurzfristig stoppt die EZB die Kreditverteuerung", erklärt der Ökonom Kaserer. "Aber irgendwann werden die Zinsen wieder steigen." Spätestens dann dürften Unternehmen und Verbraucher mehr für Kredite zahlen müssen.

Dann bleibt Firmenchefs und Privatkunden noch die durchaus berechtigte Hoffnung, dass der scharfe Wettbewerb auf dem engen deutschen Bankenmarkt weiterhin für attraktive Angebote sorgen wird.

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