Fleischindustrie Wer zahlt, haftet auch

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Helmut Schneider 03.06.2017

Es ist noch nicht lange her, da wurde die Fleischindustrie als Branche an den Pranger gestellt, weil man die Arbeiter aus Rumänien oder Bulgarien schlecht bezahlte. Die ließen sich dies gefallen, weil sie in Deutschland immer noch besser verdienten als in ihrem Heimatland. Insofern war die mediale Aufregung ähnlich übertrieben und auch ein wenig heuchlerisch wie bei denen, die sich über die „unfairen“ Löhne asiatischer Näherinnen aufregen, gleichzeitig aber nicht bereit sind, für ein T-Shirt oder ein Hemd mehr zu bezahlen.

Ganz anders ist es, wenn arbeits- oder sozialstaatliche Vorgaben in den Fleischkonzernen missachtet werden. Bislang konnten sich die Unternehmen über Werkverträge notfalls aus der Affäre ziehen und die Verantwortung dafür den von ihnen beauftragten ausländischen Subunternehmen zuschieben. Sie zu kontrollieren oder zur Rechenschaft zu ziehen, ist schwierig.

Deshalb ist das Gesetz, das die Große Koalition jetzt beschlossen hat, gut. Es setzt an der richtigen Stelle an: Für Verstöße kann künftig das Unternehmen in Regress genommen werden. Dies folgt einer Logik, auf der jede marktwirtschaftliche Ordnung fußt: Wer zahlt, schafft an, heißt es sprichwörtlich und bedeutet, dass der Auftraggeber das Sagen hat. Die andere Seite der Medaille gehört dazu: Er hat auch die Verantwortung, wenn etwas schief läuft. Wer anschafft, haftet auch.