Nürnberg Welches Gummibärchen soll es sein?

Im "Josephs" können Verbraucher Prototypen oder Dienstleistungen testen und ihre Meinung dazu abgeben. Im Bild: Projektleiter Frank Danzinger.
Im "Josephs" können Verbraucher Prototypen oder Dienstleistungen testen und ihre Meinung dazu abgeben. Im Bild: Projektleiter Frank Danzinger. © Foto: dpa
Nürnberg / DPA 27.05.2015
Verbraucher würden sich gerne an der Entwicklung von Produkten beteiligen. Für Unternehmen ist eine solche frühe Kundenbindung nützlich. In Nürnberg lassen sich neue Produkte nun testen und bewerten.

An der Kamera sitzt der Auslöser an der falschen Stelle, die Tastatur des Handys ist für die Finger zu klein oder die Autositzbezüge gibt es nur mit grässlichen Mustern: Oft ärgern sich Kunden über Details von Produkten. Manche wünschen sich dann, dass sie bei der Entwicklung ein Wörtchen hätten mitreden können. Und immer mehr Firmen machen sich genau das zunutze.

Im Internet gibt es schon länger viele Möglichkeiten, sich in Produktentwicklungen einzumischen. In einem kleinen Laden in der Nürnberger Innenstadt kann man Prototypen oder Dienstleistungen in die Hand nehmen, testen und seine Meinung dazu abgeben.

Namensgeber für das vom Wirtschaftsministerium geförderte Projekt "Josephs" des Fraunhofer-Instituts und der Universität Erlangen-Nürnberg war Joseph von Fraunhofer. Die Idee hinter dem etwa 400 Quadratmeter großen offenen Labor erklärt Projektleiter Frank Danzinger so: "Der Nutzer sagt, was er gerne hätte." Die Unternehmen könnten ihre Produkte dadurch in einem sehr frühen Stadium besser auf Bedürfnisse zuschneiden und Fehler ausmerzen.

Derzeit gibt es im "Josephs" die Themenwelt "Zukunft Handel". Ein Unternehmen hat eine Einkaufsberater-App entwickelt, die etwa Allergiker auf mögliche Unverträglichkeiten in Lebensmitteln hinweist. Eine andere Firma arbeitet mit elektronischen Werbetafeln, die sich per Kamera und Gesichtserkennung auf Betrachter einstellen.

Voraussetzung für eine Präsentation im "Josephs" ist, dass die Besucher etwas anfassen, ausprobieren, mit dem Produkt interagieren können. "Es soll nicht nur das bloße Anschauen wie auf einem Messestand sein", sagt Danzinger. Manche Firmen haben auch extra Fragebögen entwickelt, die die Besucher ausfüllen können. Die Gäste geben etwa an, ob sie das Produkt überhaupt nutzen würden oder welchen Preis sie dafür bezahlen würden. Etwa 30 Besucher zählt das "Josephs" im Schnitt pro Tag. Samstags kommen die meisten. Und sie bleiben zwischen 30 und 60 Minuten. Am Ende der dreimonatigen Themenwelt bekommen die Firmen dann eine Auswertung der Erkenntnisse.

Gerade für neue kleine Firmen ist das ein Service, den sie sich sonst nicht leisten könnten - wobei sie auch für die Zeit im "Josephs" einen erklecklichen Betrag bezahlen müssen. Thomas Harmes vom Duisburger Startup Mifitto ist dennoch mit der Zeit im "Josephs" zufrieden: "Für uns war das optimal." Mit einer Mannschaft von damals sechs Leuten hätte er nicht so leicht ein paar Mann für die Marktforschung abstellen können. Die Firma bietet Größenberatung bei Kleidung und Schuhen an - unter anderem mit einem Fußscanner. "Durch das Josephs haben wir herausgefunden, dass die Kunden immer an eine Ecke des Scanners stoßen. Die haben wir dann weg gemacht."

Genau auf diese Rückmeldungen von Kunden wollen immer weniger Firmen verzichten. Denn die Einbindung lässt nicht nur Schwachstellen zutage treten; auch die Bindung des Verbrauchers an das Unternehmen wächst. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie ein Produkt kaufen, das sie selbst mitentwickelt haben, ist groß. BMW etwa lädt im Internet zum Mitentwickeln ein.

Auf der Web-Plattform "Unseraller" können Verbraucher über Nagellack abstimmen oder Ideen für den Innenraum eines Fords abgeben. Und Haribo ließ über Gummibärchen abstimmen.

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