Zentralgenossenschaft  Weinmarkt hart umkämpft

Möglingen / Hans Georg Frank 30.05.2017
Der größte Betrieb der Branche meldet für 2016 Rückgänge bei der Menge und beim Umsatz.

„Dramatisch“ war das meist gebrauchte Wort im Rück- und Ausblick von Dieter Weidmann, Chef der Württembergischen Weingärtner-Zentralgenossenschaft (WZG) in Möglingen. Der Weinmarkt werde immer schwieriger, weil weniger Konsumenten erreicht würden. Zugleich gebe es in Europa einen Überschuss von 44,2 Millionen Hektoliter. Der Export deutschen Weins sei um 100 Millionen Liter gesunken. Diese Menge dränge auf den heimischen Markt und verschärfe den Verdrängungswettbewerb.

Bei der WZG, die Ernten von 1900 Hektar Rebfläche verarbeitet, ging der Absatz 2016 um 4,3 Prozent auf 27,7 Millionen Liter zurück. Der Umsatz sank um 2,16 Prozent auf 87,53 Millionen Euro. 61 Prozent des Sortiments werden außerhalb des Anbaugebiets verkauft. Literflaschen seien mit 60 Prozent Haupt­umsatzträger. Als „Paradepferd“ bezeichnete Weidmann die Produktlinie „Süß und fruchtig“ mit einem Plus von 15,6 Prozent.

Für 2017 gebe es zwar eine „deutlich steigende Tendenz“, aber wegen der verheerenden Spätfröste verschlechterte sich die Lage der Winzer dramatisch. Die Auszahlung an die Erzeuger sei unbefriedigend, eine Erhöhung der Erlöse sei kaum möglich: „Wir haben mit unseren Preisen eine Grenze erreicht, die Spielräume sind sehr gering.“

In der Besorgnis erregenden Situation hat ein Mitglied des als elitär geltenden Verbands der Prädikatsweingüter (VDP) mit seinem Sonderposten für einen Discounter die Branche zusätzlich beunruhigt. Felix Adelmann, Juniorchef des Weinguts Graf Adelmann auf Burg Schaubeck, hat für Lidl einen Grauburgunder und einen Spätburgunder Rosé für 3,99 Euro abgefüllt. Dabei sei „keine einzige Traube“ seines eigenen Guts, sagte Adelmann der SÜDWEST PRESSE. Es handle sich um „Zukaufsware von einem Winzer“. Die Weine werden nicht unter dem renommierten Namen feilgeboten. Adelmann gründete eine Firma namens „1272“, dem Jahr der ersten urkundlichen Erwähnung seiner Burg.

Der Absatz war mancherorts reißend, Regale waren rasch leer geräumt. Über die Menge wollten sich weder Adelmann noch Lidl äußern. Der blaublütige Winzer will mit seinem Duo „eine Lanze für den Württemberger brechen“. Im Herbst werde ein Lemberger folgen.

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