EZB Weidmann angeblich aus dem Rennen

Bundesbankpräsident Jens Weidmann.
Bundesbankpräsident Jens Weidmann. © Foto: Sean Gallup/Getty Images
Frankfurt / Rolf Obertreis 24.08.2018

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat sich bei der Frage immer zurückgehalten, wer Mario Draghi im November 2019 als Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) beerben sollte. Obwohl ihn die Aufgabe reizen würde. Das „Handelsblatt“ berichtete unter Berufung auf Regierungskreise, dass es Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wichtiger sei, einen Deutschen an die Spitze der EU-Kommission zu bringen. Im Gegenzug könnte die politische Unterstützung für Weidmann zugunsten eines Notenbankers anderer Nationalität schwinden. Auch wenn sie Weidmann sehr schätzt, schließlich hat er jahrelang für sie im Kanzleramt gearbeitet.

Die Bundesbank kommentiert das mutmaßliche EZB-Aus für Weidmann nicht. Auch Weidmann selbst sparte das Thema gestern in Berlin vor dem Verein der ausländischen Presse aus. Beobachter in Frankfurt sind nicht überrascht. Er habe einen Deutschen und damit Weidmann nie für das wahrscheinlichste Szenario gehalten, sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. „Natürlich hätte Kanzlerin Angela Merkel einen hohen Preis für Jens Weidmann zahlen müssen, der im Süden der Währungsunion wegen seiner Stabilitätsorientierung unbeliebt ist“.

Weil die Ursachen der Staatsschuldenkrise nach wie vor ungelöst seien, würden die Regierungen im Euroraum weiter auf Schützenhilfe durch die EZB drängen, sagt Krämer. „Falken wie Weidmann haben deshalb keine Chance.“ Laut Thomas Heidorn von der Frankfurt School of Finance hat Weidmanns strikte Geldpolitik auch keine Mehrheit im EZB-Rat.

Commerzbank-Ökonom Krämer nennt den französischen Notenbank-Chef François Villeroy de Galhau oder den Finnen Errki Liikanen als mögliche Nachfolge Draghis. „Aber wer das genau sein wird, lässt sich heute schwer prognostizieren.“ Klar ist für Krämer: Weil Weidmann aus dem Rennen ist, „rückt der Kurswechsel an der Spitze der EZB in weite Ferne“. Bislang erwarten Ökonomen, dass die EZB den Leitzins frühestens im Spätsommer 2019 erhöht.

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