Nitratbelastung Nitrat im Trinkwasser – Wasserversorger schlagen Alarm

Stuttgart / Caroline Strang 08.08.2017
Verbandschef befürchtet Kostensteigerungen für Trinkwasser von bis zu 60 Prozent. Schuld seien die hohen Aufbereitungskosten nach Verunreinigungen.

Die deutschen Wasserversorger sehen auf die Verbraucher in den kommenden Jahren deutliche Preissteigerungen beim Trinkwasser zukommen. Seit Jahrzehnten werde zu viel Gülle und Mineraldünger auf Wiesen und Feldern verteilt, sagte Martin Weyand, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes BDEW der „Süddeutschen Zeitung“. Wegen der daraus folgenden hohen Nitratbelastung werde die Wasseraufbereitung schwieriger.

„Wir machen uns große Sorgen um den Zustand des Grundwassers“, sagte Weyand. „Das ist die wichtigste Ressource, die wir haben.“ Das Anfang des Jahres verabschiedete neue Düngerecht reiche nicht aus, um die Nitratbelastung zu senken. Im Juni hatte bereits das Umweltbundesamt vor höheren Kosten für Trinkwasser gewarnt.

Offiziell geht die Bundesregierung davon aus, dass knapp ein Drittel der Messstellen im Bundesgebiet Nitratwerte über dem Schwellenwert von 50 Milligramm pro Liter ausweist. Aus Sicht der knapp 6000 deutschen Versorgungsunternehmen ist die Lage jedoch erheblich kritischer, weil diese sich an einen deutlich niedrigeren Grenzwert halten müssen als den gesetzlich vorgeschriebenen. Gemessen daran weisen fast alle Messstellen im Bundesgebiet zum Teil deutlich überhöhte Nitratwerte auf.

Lage im Land

In Baden-Württemberg ist die Lage weitaus besser als im Nordwesten Deutschlands. Der Schwellenwert der Grundwasserverordnung wurde im Jahr 2015 an jeder zehnten Messstelle überschritten, berichtete das Umweltministerium in Stuttgart im November. Neuere Zahlen liegen nicht vor. Nach wie vor seien die höchsten Nitratkonzentrationen in der nördlichen und südlichen Oberrheinebene, in Teilen des Kraichgaus, im Neckarraum zwischen Stuttgart und Heilbronn sowie in der Region Oberschwaben zu finden. Also in Gebieten mit viel Landwirtschaft.

Die Belastung sinke stetig, deshalb sieht der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk (CDU), das Trinkwasser nicht in Gefahr: „Trinkwasser in hoher Qualität steht uns in Baden-Württemberg jederzeit praktisch uneingeschränkt zur Verfügung. Dafür sorgen die Wasserversorgungsunternehmen und die Überwachungsbehörden gemeinsam.“ Knapp drei Viertel des Trinkwassers wird in Baden-Württemberg aus Grund- und Quellwasser gewonnen.

Trotzdem warnt Verbands-Präsident Weyand mit deutlichen Worten. Einem BDEW-Gutachten vom Januar zufolge könnte die aufwendige Nitratentfernung in einigen Regionen die Jahreswasserrechnung um bis zu 62 Prozent erhöhen – die durchschnittlichen Kosten eines Drei-Personen-Haushalts würden dadurch von aktuell 217 € auf 352 € steigen.

Hauptverursacher der hohen Nitratbelastung ist aus Sicht des Wasserverbandes die Landwirtschaft. Das neue Düngerecht müsse überarbeitet und verschärft werden, forderte Weyand. Die Vorschriften seien lückenhaft und erlaubten zu viele Ausnahmen.

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