Vor sieben Jahren waren Marc Friedrich und Matthias Weik Nobodys in der Finanzszene: Für ihr Buch zur Finanzkrise und deren Folgen hagelte es anfangs Absagen von Verlagen. Heute erhalten die beiden Vermögensberater aus dem Remstal Einladungen ins Bundeswirtschaftsministerium, diskutieren mit namhaften Bankenvertretern, haben eine halbe Million Bücher verkauft und bringen nun ihr fünftes Werk heraus: „Der größte Crash aller Zeiten“.

Wenn man Ihre Bücher liest, könnte man jeglichen Lebensmut verlieren. Wie schaffen Sie es, jeden Morgen aufzustehen?

Matthias Weik: Manchmal mache ich mir Gedanken, wo das alles hinführen soll. Man hat ja auch Familie. Aber ich liebe das Leben.
Marc Friedrich: Ich bin ein positiv denkender Mensch, ein Grund­optimist. Das Gute ist: Man lernt aus Dingen, in jeder Krise steckt bekanntlich eine Chance, das hat uns auch die Geschichte gelehrt. Wir werden daher wieder ein goldenes Zeitalter erleben.

Optimistische Crash-Propheten, das ist ja mal was Neues!

Friedrich: Wir versuchen, die Realität abzubilden und zu analysieren. Ich beschäftige mich seit 15 Jahren mit dem Thema. So viele Verwerfungen wie derzeit gab es noch nie. Noch vor einigen Jahren haben Menschen zu uns gesagt, wir würden alles so negativ sehen. Mittlerweile habe ich den Eindruck, dass viele Menschen spüren, dass etwas im Argen liegt. Mit Gelddrucken kann man diese Krise eben nicht lösen.

Video Droht der große Crash?

Wie gut lässt es sich als Crash-­Prophet und Buchautor  leben?

Friedrich: Wir haben 500 000 Bücher verkauft. Das meiste Geld davon bekommen Amazon und der Buchhandel. Für uns fallen 50 bis 60 Cent pro Buch ab.

Wie hat sich Ihre Einstellung zum Finanzmarkt verändert?

Friedrich: Im Laufe dieser Zeit haben sich die schlimmsten Befürchtungen bewahrheitet. Dieses System ist nicht reformfähig, es gibt einen Vermögenstransfer von unten durch die Mitte nach oben, die Politik sieht zu. Ich bin der Überzeugung, dass das Geldsystem digital und damit komplett kontrollierbar und der Euro crashen wird. Die Frage ist nur noch, wann das passieren wird.

Schüren Sie da nicht zu viel Ängste? Panik scheint ein gutes Geschäft zu sein.

Weik: Angst ist ein schlechter Ratgeber. Wir reflektieren in unseren Büchern die Realität, es ist alles daten- und faktenbasiert, und zeigen Lösungen auf. Es geht darum, sich auf den Crash vorzubereiten. Wir erleben eine Insolvenzverschleppung. Man kann Schulden nicht durch Schulden begleichen, das ist mathematisch nicht möglich.

Was meinen Sie damit?

Friedrich: Das System wird künstlich am Leben erhalten mit historisch niedrigen Zinsen. Würden die Zinsen steigen, wären viele Unternehmen in Italien und Spanien von heute auf morgen bankrott. Die Notenbanken können aus dem Nichts Geld schöpfen, weltweit können sich Länder exponentiell verschulden. Die Schulden liegen bei 250 Billionen Dollar. Sie haben sich seit 2008 mehr als verdoppelt. Das ganze System ist unheilbar krank. Die Frage ist nur, wann es kollabiert.

Was sind die Folgen?

Weik: Die Menschen können nicht mehr adäquat fürs Alter vorsorgen, weil sie ohne den Zinseszins-Effekt auskommen müssen. Wenn Banken um Hilfe schreien, müssen die Bürger mit ihren Steuern herhalten. Die Rettung der Banken durch den Staat nach der Finanzkrise hat den Menschen das Vertrauen an das Finanzsystem und den Glauben an die Politik genommen.

Das hatten Sie vorausgesehen. Womit lagen Sie noch richtig?

Friedrich: Die Nullzinsphase haben wir 2012 prognostiziert. Auch haben wir ein Bankensterben, die Aufkaufprogramme der Notenbanken, den Brexit und die Wahl Donald Trumps vorhergesagt.

Was ist nicht eingetreten?

Friedrich: Der Bitcoin liegt bei 10 000 US-Dollar, wir hatten ihm 20 000 US-Dollar zugetraut. Aber das kommt noch. Und Friedrich Merz ist nicht Kanzlerkandidat der CDU geworden.

Den Euro hatten Sie ja bereits vor Jahren totgesagt, wann ist es denn soweit?

Weik: Spätestens 2023 wird der Euro Geschichte sein. Europa wird deshalb nicht untergehen, Währungen kommen und gehen.

Wozu braucht es dann noch ihr fünftes Buch?

Friedrich: Es soll ein Rettungsanker sein – und zeigen, wie sich die Menschen mental und monetär auf den größten Crash aller Zeiten vorbereiten können.

Geht es nicht eine Nummer kleiner?

Friedrich: Der Titel des Buches stand erst am Schluss. Für uns ist klar: Der nächste Crash ist größer als der 2008/2009. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis alles implodieren wird. Man denke nur an das Rentensystem, das nicht nachhaltig ist, die 20 Prozent der Menschen, die im Niedriglohnsektor arbeiten, die Flüchtlinge, die schwer in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren sind oder die Digitalisierung, die viele Jobs kosten wird.

Haben Sie da nicht eine vergleichsweise exklusive Meinung?

Friedrich: Ganz und gar nicht. Wir waren jüngst bei einem Treffen von namhaften Volkswirten großer Banken und extrem überrascht. Da herrschte Konsens: Die Zeit für das jetzige Geldsystem läuft ab, das nächste wird digital sein.

Wie sollen die Menschen dann ihr Vermögen schützen?

Weik: Geht man vom Kollaps des Eurosystems aus, sollte man großteils auf Sachwerte setzen.

Was heißt das konkret?

Weik: Wir halten einen Anteil am Gesamtvermögen von bis zu 30 Prozent in Edelmetallen für sinnvoll, bis zu 10 Prozent in Diamanten, bis zu 30 Prozent in schuldenfreie Immobilien ohne Grundbucheintrag der Bank, die ansonsten Miteigentümer ist. Das Vermögen sollte zudem bis  zu 15 Prozent aus Wald, Land, Acker und Wiesen bestehen, bis zu 15 Prozent aus Aktien von Minen und Unternehmen aus den Bereichen Rohstoffe, Wasser oder Digitalisierung, bis zu 15 Prozent aus exotischen Anlagen wie Whisky, Kunst oder Oldtimer, bis zu 5 Prozent aus Bitcoins.

Aber der Goldpreis ist auf 1500 US-Dollar je Feinunze gestiegen.

Friedrich: Er wird weiter steigen. Die Notenbanken haben zuletzt  massiv Gold gekauft.

Weik: Und sie werden es weiter tun: Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hat neue Richtlinien ausgegeben. Von 2022 an dürfen Notenbanken erstmalig bis zu 20 Prozent ihres Eigenkapitals in Edelmetalle investieren, um ihre Bilanzen zu stabilisieren. Fast könnte man meinen die Notenbanken verlören den Glauben an ihr eigenes Produkt: Papiergeld.

Talk mit den Autoren in Göppingen


Marc Friedrich (44) studierte Internationale Betriebswirtschaftslehre und beschäftigt sich intensiv mit der Wirtschaft und den Finanzmärkten. In Argentinien erlebte er 2001 den Staatsbankrott. Er ist Investment­experte für Edelmetalle. Mit Matthias Weik hält er Seminare und Vorträge.

Matthias Weik (44) befasst sich seit mehr als zehn Jahren mit der globalen Wirtschaft und ihren Finanzmärkten. In Australien studierte er „International Business“. Er ist seit Jahren als unabhängiger Honorarberater tätig.

Die Buchpremiere mit den Bestseller-Autoren findet am Donnerstag, 14. November, 19 Uhr, in der Göppinger Stadthalle statt. Tickets gibt es bei der NWZ, Rosenstraße 24 in Göppingen und online auf www.südwestpresse.de/ticketshop.