Hauptversammlung VW rüstet 4,7 Millionen Diesel um

Hannover / dpa 11.05.2017

Mehr als eineinhalb Jahre nach Auffliegen des Volkswagen-Diesel-Skandals haben Anteilseigner dem Konzern mangelnde Transparenz vorgeworfen. Der Autobauer lehnt einen ausführlichen Bericht zu den Ermittlungserkenntnissen der Anwaltskanzlei Jones Day zum Abgas­skandal weiter ab. Bei Aktionären stieß dies auf deutliche Kritik.

„Mir ist bewusst, dass sich einige von Ihnen eine noch weitergehende Transparenz wünschen“, sagte Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch am gestrigen Mittwoch den versammelten Aktionären in Hannover. „Einen schriftlichen Abschlussbericht von Jones Day gibt es nicht und wird es auch nicht geben“, sagte er zu den Erkenntnissen der von VW beauftragten US-Anwaltskanzlei.

Derweil ist gestern bekannt geworden, dass die Stuttgarter Staatsanwaltschaft sowohl gegen Pötsch als auch gegen Vorstandschef Matthias Müller sowie seinen Vorgänger Martin Winterkorn Ermittlungen aufgenommen hat. Laut Wirtschaftswoche“ geht es dabei um die Frage, ob die Firmenchefs rechtzeitig über den Abgasskandal informiert haben.

Die im September 2015 eingeräumten Manipulationen bei Abgastests rund um das gesundheitsschädliche Stickoxid hatten VW in eine tiefe Krise gestürzt. Volkswagen hat für die Kosten des Dieselskandals insgesamt bereits 22,6 Mrd. € verbucht.

Rechtliche Risiken

Inzwischen hat Europas größter Autobauer allerdings wieder deutlich Fahrt aufgenommen: Im ersten Quartal verdiente der Konzern 3,4 Mrd. €  – ein Plus von fast 44 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg um 10,3 Prozent auf 56,2 Mrd. €.

Vielen Aktionären geht der Aufklärungswille von VW nicht weit genug. „Dass die Ergebnisse immer noch unter Verschluss sind, lässt vermuten, dass sie VW nicht gefallen“, sagte Andreas Thomae, Fondsmanager der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka Invest, die auch Musterkläger im Musterverfahren von VW-Aktionären ist.

Pötsch begründete das Vorgehen mit rechtlichen Risiken. „Wir als Vorstand und Aufsichtsrat von Volkswagen müssen alles tun, um weitere Schäden vom Unternehmen abzuwenden.“

Weltweit hat der Konzern inzwischen knapp die Hälfte der betroffenen Motoren umgerüstet. Insgesamt seien es bislang 4,7 Mio. Fahrzeuge, sagte Konzernchef Matthias Müller. In Deutschland seien es 1,7 Mio. Autos. Weltweit sind rund 11 Mio. Fahrzeuge der VW-Gruppe betroffen, davon 2,6 Mio. in Deutschland.

Vor der Halle forderten Demonstranten derweil sofortige Aufklärung, die Verantwortlichen für den Diesel-Skandal müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Aufsichtsratschef Pötsch betonte, Volkswagen habe aus der Diesel-Krise gelernt: Aufsichtsrat und Vorstand wollten die Aufklärungsarbeit „entschlossen vorantreiben“.

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