Gegen den Autobauer VW gibt es aktuell Rassismusvorwürfe wegen eines Werbevideos. Nach heftiger Kritik an dem auf Instagram geposteten Video, das den neuen Golf 8 bewerben soll, hat sich Volkswagen entschuldigt.

Diese rassistischen Signale sind im Video von VW zu sehen

Im aktuellen VW-Werbung für den neuen Golf 8 wurden offenbar mehrfache rassistische Signale verwendet: Konkret geht es um folgende Dinge:
  • Rassismus und Rollenverteilung - weiße Hand schubst und schnippst schwarze Person weg.
  • Name des Hauses „Petit Colon“ - ist französisch und lässt sich als Anspielung auf den Kolonialismus verstehen, da es übersetzt „Kleiner Siedler“ oder „Kolonist“ heißt.
  • Finger formen „WP“ - das Handzeichen für die nationalsozialistische Bewegung White Power.
  • Eingeblendete Buchstaben bilden langsam das Schimpfwort „Neger“ - anschließend wird daraus zu „Der neue Golf“.
Die kurze Sequenz, die starke Reaktionen in den sozialen Netzwerken auslöste, zeigt einen schwarzen Mann, der von einer riesigen weißen Hand durchs Bild geschoben und anschließend in den Eingang eines Hauses geschnippt wird.

Das sagt VW selbst zum „Rassistischen Werbevideo“ zum neuen Golf 8

„Das Video ist grenzwertig und komplett rassistisch in seiner Wirkung“, sagte Tahir Della, Sprecher der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland. „Ganz ohne Frage: Das Video ist falsch und geschmacklos“, erklärte auch das Unternehmen dazu am Mittwoch in Wolfsburg. Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann sprach von einem „rassistischen Werbevideo“, das jeden anständigen Menschen beleidige. „Wir schämen uns dafür und können es heute auch nicht erklären. Umso mehr werden wir dafür sorgen, dass wir diesen Vorgang aufklären.“ Die Ergebnisse und Konsequenzen der Untersuchung würden öffentlich gemacht.

Warum wurde das menschenverachtende Video nicht vor Veröffentlichung gestoppt?

Betriebsratschef Bernd Osterloh sagte: „Ich schäme mich für diesen Spot. Da spreche ich sicherlich für die ganze Belegschaft.“ Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil nannte das Video „eindeutig rassistisch und menschenverachtend“. Es sei nicht zu verstehen, dass das „schockierende“ Video nicht vor Veröffentlichung gestoppt worden sei. „Dieses Thema wird sicher auch noch ein Nachspiel in den Gremien haben“, sagte der SPD-Politiker, der als Vertreter des Landes Niedersachsen im VW-Aufsichtsrat sitzt.

Worteinblendung „Neger“ - VW gegen jede Form von Rassismus

Für einen Moment war gegen Ende des Werbefilms für das neue Golf-Modell auch eine Buchstabenfolge zu sehen, deren Einblendung das Wort „Neger“ nahelegte. „Schon vor dem Hintergrund unserer eigenen Unternehmensgeschichte positioniert sich Volkswagen gegen jede Form von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung“, erklärten die Wolfsburger. Auch bei Twitter war der Clip zu sehen gewesen.

So reagiert VW nach Shitstorm auf Social Media wegen rassistischer Werbung?

Della sagte, es sei erstaunlich, dass es die heftigen Reaktion in den sozialen Medien gebraucht habe, damit auch VW selbst das Video kritisch sehe. Eine erste Entschuldigung war zuvor auf Instagram verbreitet worden. „Wie ihr euch vorstellen könnt, sind wir überrascht und schockiert, dass unsere Instagram-Story derart missverstanden werden kann“, schrieb VW dort zunächst. Dies war stellenweise nochmals auf Kritik gestoßen. Ein Nutzer schrieb: „Alles also nur eingebildet und ein Missverständnis? Sorry, aber den Rassismus bilden wir uns nicht ein.“

Volkswagen entschuldigt sich für rassistisches Werbevideo für neuen Golf 8

Volkswagen präzisierte daraufhin seine Entschuldigung. Das Unternehmen betonte außerdem: „Viele Initiativen im Unternehmen und in unserer weltweiten Belegschaft fördern Vielfalt, Integration und eine vorurteilsfreie Zusammenarbeit.“ Das sei begrüßenswert, so Della, aber entschuldige nicht das Video. Der Clip zeige, dass VW sich nicht nur mit Diversity, sondern auch ganz konkret mit Rassismus und damit, wie Bilder wirkten, auseinandersetzen müsse. „Dann wäre das auch den Leuten bei VW aufgefallen, dass es nicht okay ist, eine schwarze Person durch die Gegend zu schubsen.“

Betriebsrat will vollständige Aufklärung - Verantwortliche im Top-Management

Die Mitarbeitervertretung verlange nun eine vollständige Aufklärung darüber, wer für die Insta-Story verantwortlich ist. „Der Vorfall muss jetzt restlos aufgeklärt werden“, sagte Osterloh. „Der Betriebsrat wird nicht zulassen, dass die Verantwortung für diesen Vorfall dauerhaft vom Top-Management nach unten abgeschoben wird.“