Ob Windräder oder Solaranlagen – die Produzenten von Ökostrom haben einen großen Vorteil: Die Betreiber der großen Übertragungsnetze sind verpflichtet, ihnen den gesamten Strom abzunehmen. Im Zweifelsfall müssen sie Atom- und Kohlestrom aussperren. An diesem Einspeisevorrang soll nicht grundsätzlich gerüttelt werden, teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit. Das Ministerium denkt aber über Änderungen nach.

Wenn der Wind in Norddeutschland besonders kräftig bläst, ist es schwierig, den vielen Ökostrom in den Süden zu transportieren, wo er gebraucht wird. Denn der Ausbau der Stromnetze kommt nur sehr langsam. Das ist ein Grund dafür, dass die Betreiber der Stromnetze immer häufiger eingreifen müssen, um die Versorgung in Deutschland stabil zu halten. Allein im vergangenen Jahr verursachte das Kosten von 1,2 Mrd. €, Tendenz steigend. Bezahlen müssen dies die Stromverbraucher über die Netzentgelte.

Das Wirtschaftsministerium hat bei drei Forschungsinstituten ein Gutachten in Auftrag gegeben, wie die Einspeisung und die Netzeingriffe effektiver zu lösen sind; es liegt auch unserer Zeitung vor. Die Experten empfehlen, den Einspeisevorrang zu „relativieren“. Schon wenn er für wenige Stunden im Jahr zurückgefahren werde, seien deutlich weniger Netzeingriffe und geringere Kosten möglich. Dadurch steigen zwar die CO2-Emissionen, aber „nicht signifikant“.

Der Bundesverband Windenergie ist bereit, über Änderungen zu diskutieren, wenn dies die volkswirtschaftlichen Kosten reduziere. Es müsse aber sichergestellt werden, dass Ökostrom-Anlagen nicht vor konventionellen Kraftwerken abgeschaltet werden. Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer bezeichnete es als absurd, wenn Kohle- und Atomstrom die Netze verstopften, die Erneuerbaren aber zurückgedreht würden.