Gesundheit Viele Pflegekräfte fühlen sich gehetzt

Für solche Gespräch haben Pflegekräfte selten Zeit.
Für solche Gespräch haben Pflegekräfte selten Zeit. © Foto: Christoph Schmidt/dpa
Berlin / Hajo Zenker 08.09.2018

 Zeitdruck, Personalmangel, Überbelastung: Einen „Teufelskreis aus schlechten Arbeitsbedingungen, fehlenden Fachkräften und steigender Belastung“ beklagt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in der Pflege. Einer am Freitag vorgestellten repräsentativen Beschäftigtenbefragung zu den Arbeitsbedingungen in der Alten- und Krankenpflege zufolge klagen viele Mitarbeiter über Zeitdruck und überbordende Arbeitsanforderungen. So liege der Anteil der Krankenpflegerinnen und -pfleger, die sich bei der Arbeit oft gehetzt fühlen, bei 80 Prozent – im Schnitt aller Berufsgruppen seien es dagegen nur 55 Prozent.

Der Anteil der Beschäftigten in der Krankenpflege, die „häufig Abstriche bei der Qualität ihrer Arbeit machen, um die Arbeitsmenge bewältigen zu können“, liege bei 49 Prozent, in der Altenpflege noch bei 42 Prozent. Der deutsche Durchschnitt liege bei lediglich 22 Prozent. Deshalb könne sich nur rund ein Fünftel der Pflegekräfte vorstellen, bis zur Rente diese Tätigkeit weiter auszuüben. Über alle Berufsgruppen hinweg meint dagegen jeder zweite Deutsche, in seinem Job bis an das Ende des Arbeitslebens bleiben zu können.

Das DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach verwies „angesichts der alarmierenden Ergebnisse“ darauf, dass Deutschland in Zukunft noch viel mehr Fachkräfte in der Pflege brauche. Deshalb müssten die Arbeitsbedingungen schnell und umfassend verbessert werden.

Zudem müssten die Beschäftigten mehr verdienen. Der Umfrage zufolge halten 73 Prozent des Pflegepersonals ihre Entlohnung angesichts der erbrachten Leistung nicht für angemessen. Die Gewerkschaften fordern einen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag für die gesamte Branche. In diesen sollten auch die kirchlichen Wohlfahrtsverbände mit eingebunden werden, sagte das für Pflege zuständige Ver.di-Vorstandsmitglied Sylvia Bühler.

Einen Flächentarifvertrag in der Pflege strebt die Bundesregierung an. Das wollen die Arbeitgeber aber nicht. Für Thomas Greiner, Präsident des Arbeitgeberverbandes Pflege, wäre der rechtlich problematisch und würde die Kosten erhöhen. Wenn die Politik eine Absicherung nach unten erreichen wolle, könne dies über eine Kommission passieren, die schon einen Mindestlohn für Pflege-Hilfskräfte bestimmt hat. Der Arbeitgeberverbandspräsident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste, Rainer Brüderle, warnte vor einer „Zwangskollektivierung“ über allgemeinverbindliche Tarifverträge.

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