An der Börse werden nicht die Erfolge der Vergangenheit gehandelt, sondern Zukunftserwartungen. Sonst wäre der Börsenwert von Tesla trotz großer Verluste nicht immer noch etwa halb so hoch wie der von Daimler, obwohl der US-Elektroautobauer noch nie Gewinn gemacht hat, ganz im Gegenteil zum Stuttgarter Konzern. Gerade im vergangenen Jahr.

Zumindest bei Daimler dürfte sich der Kurs auch nach der Hauptversammlung kaum wesentlich verbessern. Denn das Aktionärstreffen zeigte, dass es viele Baustellen gibt, die nur schwer einzuschätzen sind. Da ist die längerfristige Entwicklung der Mobilität, für die sich der Konzern mit großem Aufwand zu rüsten versucht. Doch ob er auf die richtigen Pferde setzt, wissen die Aktionäre erst hinterher.

Ihr Vertrauen bestärken sicher nicht die Probleme aus der Vergangenheit, die immer noch nachwirken. Vom Lkw-Kartell bis zur Dieselaffäre ist der Konzern in einige Skandale verwickelt, bei denen nicht abzusehen ist, wie viel sie noch kosten – auch an Renomee. Manchen Anteilseigner beschleicht zudem das Gefühl, dass da noch mehr schlummern könnte. Wirkliche Auskünfte und Aufklärungen brachte das Aktionärstreffen nicht. Im Zweifelsfall zieht sich der Vorstand auf das Geschäftsgeheimnis zurück. Für Vertrauen bei potenziellen Anteilseignern sorgt das nicht.