Berlin Viele Konzerne sind im Ausland Heimlichtuer

DIETER KELLER 11.07.2012
Weltweit tätige Konzerne legen ihre Aktivitäten in den einzelnen Ländern und ihre Maßnahmen gegen Korruption zu wenig offen. Das gilt besonders für den Finanzsektor. Deutsche Firmen stehen gut da.

Die weltweit größten Konzerne machen zwar bei der Bekämpfung von Korruption und der Transparenz ihrer Aktivitäten Fortschritte. Aber es gibt immer noch großen Nachholbedarf. Das gilt insbesondere für die Gewinne und Steuerzahlungen in den einzelnen Ländern, in denen sie aktiv sind, beklagte die Vorsitzende von Transparency International Deutschland, Edda Müller, gestern in Berlin. Besonders undurchsichtig seien die Strukturen im Finanzsektor, also bei Banken und Versicherungen.

Müller, die bis 2007 Chefin des Bundesverbands der Verbraucherzentralen war, präsentierte eine Untersuchung des weltweit tätigen Antikorruptionsvereins über die 105 weltweit größten börsennotierten Konzerne. Ausschlaggebend war der Börsenwert 2011, was zum erstaunlichen Ergebnis führte, dass weder die Deutsche Bank noch die Autokonzerne VW, Daimler oder BMW berücksichtigt wurden.

Zu drei Punkten wertete Transparency öffentlich zugängliche Informationen aus: Berichte über Antikorruptionsprogramme, die Transparenz bei Tochterfirmen und die Offenheit der Berichte über die einzelnen Länder, in denen sie ihre Geschäfte betreiben.

Unbefriedigend nennt Müller die Offenheit vieler Konzerne bei den Antikorruptionsprogrammen: Über die Hälfte veröffentliche nicht, ob und wie viel Geld sie an Parteien und Politiker zahlen. Nur 45 berichteten vollständig über ihre Tochterunternehmen. Im Vergleich zu einer ähnlichen Untersuchung sieht die Leiterin der Studie, Robin Hodess, aber zumindest Fortschritte. Immer mehr Unternehmen würden erkennen, dass Transparenz in ihrem eigenen Interesse sei. Die Mehrzahl habe einen Verhaltenskodex für ihre Mitarbeiter aufgestellt und biete ihnen Trainingsprogramme gegen Korruption.

Besonders schlecht schnitten die 24 untersuchten Finanzinstitute ab. Vor allem legen sie ihre Geschäftsaktivitäten in den einzelnen Ländern zu wenig offen. Daher forderte Müller mehr Regulierung der Branche und verbindliche Standards für die Veröffentlichung von Kennzahlen. Sehr unterschiedlich fällt das Bild der Rohstoffindustrie aus: Der Abstand vom Besten zum Schlechtesten ist besonders groß. Der norwegische Ölkonzern Statoil schnitt insgesamt am besten ab, gefolgt von der australischen Rio Tinto. Andere wie Petro China oder die russische Gazprom finden sich auf den hinteren Plätzen. Schlecht stehen die Computer- und Internetkonzerne Apple (Platz 91), Google (95) und Amazon (99) da, die letztlich ihr Geld mit Informationen verdienen, aber selbst wenig herausgeben. Auf dem letzten Platz landete die Bank of China.

Die sieben deutschen Konzerne, die berücksichtigt wurden, finden sich im ersten Drittel der Rangliste; am besten steht die BASF auf Platz 7 da. Sie berichten alle vollständig über Tochterunternehmen. Fehlanzeige herrscht dagegen, wie viele Steuern diese in den jeweiligen Ländern zahlen. Das hält Müller aber für wichtig: Nur so könnten die Bürger dieser Länder feststellen, ob Bestechungsgelder an Regierungen gezahlt oder durch findige Konstruktionen Steuern vermieden wurden.

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