Buchhandel Verteidiger eines Kulturgutes

Alle Parteien haben laut Börsenverein 
signalisiert, dass 
die Preisbindung 
bleiben soll.
Alle Parteien haben laut Börsenverein signalisiert, dass die Preisbindung bleiben soll. © Foto: Jens Kalaene/dpa
Frankfurt / Rolf Obertreis 08.06.2018

Der Wegfall der Preisbindung hätte für den Buchmarkt in Deutschland gravierende Konsequenzen. „Buchhandlungen würden verschwinden, die Preise für die Bücher steigen und die Zahl der Buchtitel sinken“, warnt Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und Geschäftsführer der süddeutschen Osianderschen Buchhandel.

Profitieren könnten wohl nur Internet-Anbieter wie Amazon oder sehr große Häuser, während kleine Händler das Nachsehen hätten. „Wir haben in Deutschland den am besten funktionierenden Buchmarkt weltweit. Ich kann die von der Monopolkommission angestoßene Debatte überhaupt nicht verstehen“, sagte er. Sorgen, dass es tatsächlich zur Abschaffung der Preisbindung kommen könnte, hat der Börsenverein allerdings kaum. Schließlich hätten alle Parteien signalisiert, dass sie daran festhalten wollen.

Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, hält der Kommission gar eine „schlampige“ Analyse des Marktes mit überholten Daten aus dem Jahr 2000 vor. Die Monopol-Kommission hatte in der vergangenen Woche empfohlen, die Buchpreisbindung zu kippen. Sie sei ein schwerwiegender Markteingriff, dem ein nicht klar definiertes Schutzziel gegenüberstehe. Es sei fraglich, ob die Preisbindung einen kulturpolitischen Mehrwert schaffe.

Beim Börsenverein verweist man auf die Entwicklung in Großbritannien, wo die Preisbindung abgeschafft wurde. „Dort gibt es kaum noch Buchhandlungen und die Buchpreise sind wesentlich höher als bei uns“, sagt Riethmüller. Skipis zufolge werden dort nur wenige Bestseller zu Dumpingpreisen verkauft.

Nicht gegen Veränderungen

Für Skipis geht es bei der Buchpreisbindung nicht darum, Geschäftsmodelle zu bewahren, sondern um den Schutz eines Kulturgutes. Dazu will der Börsenverein eine Studie vorlegen. Sollten sich Erkenntnisse ergeben, die die Position des Verbandes nicht stützen, werde er sich nicht gegen Veränderungen stemmen.

Die Umsatzrendite schwanke in der Branche zwischen minus 0,5 Prozent und im besten Fall plus 2,5 Prozent. Immerhin sind die Umsätze der Händler und Verlage seit Jahren weitgehend stabil. Im Schnitt sind sie seit 2002 pro Jahr um 1 Prozent gesunken. 2017 gab es nach einem Umsatzplus von 1 Prozent  ein Minus von 1,6 Prozent auf 9,13 Mrd. €. Der Buchhandel selbst musste ein Umsatzminus von 2 Prozent auf 4,3 Mrd. € hinnehmen, während der Buchverkauf über das Internet um 1,5 Prozent auf 1,7 Mrd. € zulegte.

Gestoppt ist der Aufwärtstrend bei E-Books. 2017 gab es sogar ein Umsatzminus von 1,4 Prozent, der Anteil an den gesamten Buchverkäufen stagnierte bei 4,6 Prozent. In den USA liegt er bei 15 Prozent.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel