Kommentar Dieter Keller zu den Folgen des Brexit für Firmen Verdrängen hilft nicht

Korrespondent Berlin,Autorenfoto 2014,Dieter Keller
Korrespondent Berlin,Autorenfoto 2014,Dieter Keller © Foto: Südwest Presse
Berlin / Dieter Keller 12.06.2018

Wenn US-Präsident Donald Trump über den Brexit verhandeln würde, dann würde er brutal vorgehen und selbst das Chaos eines ungeregelten EU-Austritts riskieren, nur um möglichst viel herauszuholen. So träumte kürzlich der britische Außenminister Boris Johnson in einem Hintergrundgespräch mit konservativen Parteigängern. Zum Glück will Premierministerin Theresa May nicht ganz so unverantwortlich vorgehen. Doch schon aus innenpolitischen Gründen pokert sie hoch in den Verhandlungen mit der EU.

Das Ergebnis ist eine Hängepartie. Für deutsche Unternehmen bedeutet das: Sie müssen sich auf alle Eventualitäten einstellen, selbst auf den harten Brexit über Nacht. Mittelständler sind damit überfordert, denn ihnen fehlen die Mitarbeiter für solche Planspiele. Ihnen zeigt der Leitfaden, den die Wirtschaftsverbände aufgestellt haben, wie groß die Gefahren sind und wie vielfältig die Themen, vom Zoll und Lieferungen, die dort feststecken, bis zu Krediten, die plötzlich fällig werden können. Die Betriebe dürfen sie nicht verdrängen. Sonst drohen ihnen große Verluste und im Extremfall die Pleite, wenn sie viele Geschäftsbeziehungen mit dem Königreich haben.

Tröstlich ist nur, dass auch britische Unternehmer bei ihrer Regierung Druck machen. Denn sie haben noch mehr zu verlieren als ihre deutschen Kollegen.

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