Vegan Vegan statt nur Bio - Produkte ohne tierische Inhaltsstoffe immer beliebter

In Berlin gibt es den ersten veganen Vollsortiment-Supermarkt Europas. Grillprodukte und Katzenfutter sind im "Veganz" ohne tierische Inhaltsstoffe. Fotos: dpa
In Berlin gibt es den ersten veganen Vollsortiment-Supermarkt Europas. Grillprodukte und Katzenfutter sind im "Veganz" ohne tierische Inhaltsstoffe. Fotos: dpa
Berlin / DANIEL RADEMACHER, DPA 26.08.2013
Vegane Produkte finden mehr Käufer. Kein Wunder, dass es inzwischen auch Supermärkte für die Produkte ohne tierische Inhaltsstoffe gibt. Deutschland hat im internationalen Vergleich aber Nachholbedarf.

Schnitzel aus Soja, Käse-Ersatz ohne Kuhmilch, veganes Hundefutter: Der Handel mit Produkten ohne tierische Inhaltsstoffe fristet in Deutschland zwar immer noch ein Nischendasein. Doch gerade in Großstädten sind spezielle Supermärkte, Restaurants und Kleidergeschäfte keine Seltenheit mehr.

Der Umsatz mit derlei Produkten wächst, und Branchenexperten sehen darin großes Potenzial - nicht nur für die Spezialanbieter, sondern auch für den konventionellen Handel. Nach Angaben der Veganen Gesellschaft Deutschland ernähren sich 800 000 Menschen hierzulande vegan.

Im Jahr 2011 lag der Umsatz mit entsprechenden Produkten bei rund 194 Mio. EUR, 2012 legte der Wert um mehr als 19 Prozent auf rund 232 Mio. EUR zu. Zum Vergleich: Der Gesamtlebensmittelumsatz liegt dem Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels zufolge bei weit mehr als 100 Mrd. EUR.

Der Handel mit veganen Produkten ist ein Nischenmarkt, Experten sehen aber großes Potenzial: "Denn in veganen Supermärkten werden zumeist Markenprodukte verkauft. Hier könnten die großen Ketten und Discounter eine wichtige Rolle spielen und mit veganen Eigenmarken punkten", sagt Denise Klug vom Handelsinformationsdienst Planet Retail.

Zwar finden Kunden auch derzeit im Supermarkt um die Ecke viele vegane Produkte. Doch dabei handelt es sich meistens um einfache Lebensmittel wie Soja-Milch, Gemüsebuletten oder pflanzliche Aufstriche. Für mehr Auswahl oder spezielleren Bedarf ist in aller Regel der Gang ins Reformhaus oder in den Bioladen notwendig.

In Großstädten haben Kunden, die vegan einkaufen wollen, derzeit die besten Karten. In Berlin startete 2011 etwa der Supermarkt Veganz als nach eigenen Angaben erster veganer Vollsortiment-Supermarkt Europas. In der Hauptstadt gibt es 2 Filialen, weitere Standorte haben in Hamburg und Frankfurt eröffnet. In diesem Jahr sollen noch Leipzig, München, Wien und Prag folgen. Neben den Alternativen zu tierischen Lebensmitteln hat das Unternehmen auch Waren des täglichen Bedarfs wie Putzmittel, Hygieneartikel und Tiernahrung ohne tierische Inhaltsstoffe im Angebot.

"Die wenigsten unserer Kunden sind Veganer. Viele wollen nicht nur Produkte, die frei von tierischen Inhaltsstoffen sind, sondern auch fair und ökologisch nachhaltig gehandelte Ware. Auch Bio allein geht vielen Verbrauchern nicht weit genug", sagt Veganz-Geschäftsführer Jan Bredack.

Er räumt aber ein, dass Kunden in seinen Märkten tiefer in die Tasche greifen müssen: "Den Discount-Gedanken gibt es bei uns nicht. Grob gesagt, muss man daher bei uns ein Plus von 20 Prozent im Vergleich zum Preis im gewöhnlichen Supermarkt einkalkulieren." Bei Bio-Produkten ist es etwa 3 bis 5 Prozent. Für 2013 erwartet Bredack einen Umsatz von 6 Mio. EUR, 2015 soll er auf 30 Mio. EUR wachsen.

Auch wenn die Angebote für den veganen Einkauf vielfältiger werden, hat Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern einiges aufzuholen, findet Handelsexpertin Denise Klug. "Mit dem Handel von veganen Produkten sind unsere Nachbarländer - zum Beispiel die Niederlande und Belgien - schon viel weiter. Die Basics hat aber auch hierzulande inzwischen nahezu jeder Supermarkt im Angebot."

An der Kennzeichnung hapert es noch oft