VW US-Aufseher findet nur zwei Verstöße

Larry Thompson war früher US-Staatssekretär.
Larry Thompson war früher US-Staatssekretär. © Foto: FOTO: HOLGER HOLLEMANN/ dpa
Berlin / Dorothee Torebko 28.08.2018

Seit drei Jahren belastet der Diesel-Skandal um massenhaft manipulierte Autos Volkswagen. Die US-Justiz setzte einen Ermittler ein: Larry Thompson prüft zusammen mit einem 60-köpfigen Team, ob sich VW an die Auflagen hält. Nun stellte er einen Zwischenbericht vor. 

Nur zwei Verstöße stellte Thompson im Zuge seiner Recherchen fest: Der Konzern nahm „aus Versehen“ eine Liste von fünf Fragen nicht in die Manager-Handbücher auf. Zudem übersah VW, zehn Tage vor Beginn von Emissionstests die Umweltbehörde CARB schriftlich zu informieren. Der Konzern habe, sagt Thompson, diese Verstöße umgehend gemeldet. Weniger begeistert war der Ermittler, dass VW Informationen zurückgehalten habe. Unter Berufung auf das Anwaltsgeheimnis und den Datenschutz nahmen die Wolfsburger Schwärzungen in Dokumenten vor. Das müsse der Konzern künftig ändern. Dramatisch klingen diese Fehler nicht. Zumal der Konzern auch Besserung gelobt.

Hat der Konzern aus den Schummeleien der Vergangenheit gelernt? Nein, sagen Experten. „Im Gegensatz zu Deutschland arbeiten die USA den VW-Skandal konsequent auf. Hierzulande haben das SPD-geführte Land Niedersachsen als Anteilseigner von VW und die Gewerkschaften nicht viel zur Aufklärung beigetragen“, kritisiert Oliver Luksic von der FDP. „Es fehlt nach wie vor an Transparenz sowie ethischer Verantwortung der beteiligten Akteure.“

Für Stefan Bratzel, Leiter des Instituts Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach, wäre es „ein wichtiges Signal, wenn der Ermittler nicht aus dem Ausland kommt, sondern aus dem Inland“.

Bratzel erwartet, dass sich die Aufklärung des Skandals noch Jahre hinziehen wird und immer wieder Negativ-Meldungen auftauchen werden. Zuletzt war ein Dokument bekannt geworden, das den Ex-Chef Martin Winterkorn vor Gericht bringen und VW Milliarden kosten könnte. „Deshalb muss die Politik den Druck erhöhen“, fordert Bratzel. Erst dann könne innerhalb des Unternehmens auch ein Kulturwandel eintreten.

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