Hunderttausende Urlauber werden dieses Jahr wieder in Ferienwohnungen und Ferienhäuser absteigen. Wie viele es sind, das weiß niemand genau; der Markt ist unübersichtlich geworden. Und das ist ein Grund dafür, warum um Ferienwohnungen vielerorts heftiger Streit entbrannt ist - egal ob Großstadt oder Küstenort. Ein Bürgermeister warnt schon vor "Krieg in den Gemeinden".

Der Mann heißt Rainer Karl und ist Verwaltungschef in Kühlungsborn an der Ostsee. Ferienwohnungen, erzählt der parteilose Politiker, gebe es, seit dort Urlauber ins Meer springen und das seien immerhin eineinhalb Jahrhunderte. "Aber früher hat der Vermieter mit seinem Gast im Haus gewohnt." Diese beschaulichen Zeiten seien vorbei. Haus um Haus würden aus Wohngebieten Ferienhaus-Siedlungen. Die Einheimischen fürchten um ihr ruhiges Leben in Strandnähe, um günstige Mieten und Arbeitsplätze.

So hat das kleine Kühlungsborn viel gemeinsam mit Metropolen wie Berlin. Der Senat geht von 12.000 solcher Wohnungen in der Hauptstadt aus und die Ordnungsämter tun sich schwer, das Verbot zu überwachen, Mietwohnungen in Ferienwohnungen umzuwandeln.

Mathias Feige, Chef des Tourismus-Beratungsunternehmens DWIF, spricht von einem hochdynamischen Markt mit extremen Entwicklungen. Zuerst haben Vermittlungsportale im Internet Ferienwohnungen für jedermann auffindbar und vergleichbar gemacht. Nun werfen Privatleute auch ihre eigenen Wohnungen oder einzelne Zimmer zeitweise auf den Markt - über Dienste wie Airbnb, 9flats, Gloveler oder Wimdu. Die Digitalisierung und der Trend zum Teilen über das Netz haben das Angebot nochmals erweitert.

Bloß der amtlichen Statistik sei das entgangen, kritisiert Feige. Sie zählt nur gewerbliche Anbieter und die beginnen bei zehn Betten. Nach ihren Zahlen gab es im Jahr 2014 bundesweit 321.000 Betten in Ferienhäusern und -wohnungen, einige tausend weniger als zehn Jahre zuvor. Tatsächlich aber dürfte es inzwischen etwa eine Million Betten geben. Nach Zahlen, die von FeWo-direkt, einer der ältesten Vermittlungsplattformen, gemeinsam mit dem Deutschen Tourismusverband, der Vertretung der örtlichen Tourismuswerber, präsentiert werden, würden die Gäste den Kommunen einen Umsatz von acht Milliarden Euro im Jahr bringen. Der Tourismusverband warnt vor Einschränkungen für die "zweitbeliebteste Übernachtungsform der Deutschen im Urlaub".

Anlass sind Gerichtsurteile, nach denen Ferienwohnungen in Wohngebieten gegen die jahrzehntealte Baunutzungsverordnung verstoßen. Entlang der Küsten überprüften nun Behörden Ferienwohnungen, manchmal untersagten sie fristlos die Vermietung, kritisiert der Tourismusverband. Die Tourismuswerber fordern deshalb, die Baunutzungsordnung zu ändern.

Der Kühlungsborner Bürgermeister Karl verweist auf das zehn Kilometer entfernte Rerik und sagt: "Man muss es differenziert angehen." In Rerik hänge der Tourismus inzwischen zu 70 Prozent an Ferienwohnungen. Kühlungsborn hingegen kann demnach ein paar Besucher weniger zu Spitzenzeiten verschmerzen. "Wir haben einen Strand, der ist vier Kilometer lang und 200 Meter breit. Der Platz ist begrenzt."