Frankfurt Trassenbetreiber fordert Tempo beim Ausbau

Amprion betreibt in Deutschland die meisten Stromnetze. Das Unternehmen spricht sich für einen zügigen Ausbau aus-
Amprion betreibt in Deutschland die meisten Stromnetze. Das Unternehmen spricht sich für einen zügigen Ausbau aus- © Foto: Amprion
Frankfurt / ROLF OBERTREIS 25.06.2015
Amprion ist der größte Netzbetreiber Deutschlands. Um weiter zu wachsen, will er kräftig in das Stromnetz investieren. Mit seinem Vorhaben kommt er aber viel zu langsam voran, kritisiert der Amprion-Chef.

"2015 wird ein entscheidendes Jahr für den Erfolg der Energiewende. Wenn der Netzausbau jetzt nicht Fahrt aufnimmt, dann kommt die Energiewende zum Erliegen." Hans-Jürgen Brick ist Geschäftsführer der Dortmunder Amprion GmbH. Das Unternehmen mit seinen rund 1100 Mitarbeitern ist einer der führenden Stromnetzbetreiber in Europa, der größte in Deutschland und unterhält mit 11.000 Kilometern hierzulande das längste Hochspannungsnetz. Die Leitungen führen von Niedersachsen durch den Westen der Republik bis an die Grenzen zur Schweiz und zu Österreich. Das Unternehmen ist aus dem Essener RWE-Konzern hervorgegangen. Seit 2011 gehören drei Viertel der Amprion-Anteile Finanzinvestoren wie Pensionskassen, Versorgungswerken oder Versicherungen. RWE hält 25,1 Prozent.

Die Sorgen von Brick sind groß, so groß, dass sich das Unternehmen entschlossen hat, erstmals in diesem Jahr seine Zahlen auf den Tisch zu legen. Und vor allem zu betonen, was nicht nur für Amprion auf dem Spiel steht. 2015 wollen die Dortmunder weitere 200 Kilometer Leitungen bauen, bis 2024 sollen insgesamt 5,4 Mrd. EUR investiert werden. Zwischen 2009 und 2014 hat Amprion bereits 1,9 Mrd. EUR für sein Netz ausgegeben.

Amprion hat den Auftrag, zwei der vier im Rahmen der Energiewende geplanten Trassen mit einer Gesamtlänge von rund 2300 Kilometern zu bauen, die vor allem Windstrom aus dem Norden und Osten nach Süden bringen sollen. Künftig solle, sagte Brick, ein "atmendes" Netz entstehen. Das bedeutet: Wechselstromleitungen sammelten dann Windstrom im Norden und Sonnenstrom im Süden ein. Mit der Einspeisung von Strom aus konventionellen Kraftwerken werde die Versorgungssicherheit gewährleistet. Und letztlich sorgten Gleichstromverbindungen für den Stromausgleich zwischen Norden und Süden.

Seit dem Jahr 2010 konnten davon nach Angaben des Unternehmens allerdings nur 180 Kilometer installiert werden. Dabei wächst der Bedarf weiter, weil immer mehr Strom aus Sonne und Wind gewonnen werde. Amprion gehört zu einem Viertel dem Energiekonzern RWE, die restlichen Anteile liegen bei Pensionskassen, Versicherungen und Versorgungswerken.

Jedes Jahr, das der Ausbau Netz längere dauere, koste Geld, sagt Brick. Amprion selbst versucht, im Dialog mit Bürgern an den Baustellen, aber ab sofort auch im Internet, über die Leitungen zu informieren und deren Notwendigkeit für die Energiewende zu betonen. Brick sprach gestern Bayern zwar nicht direkt an, seine Verärgerung über die Infragestellung der Vereinbarung über den Bau neuer Trassen in Bayern durch den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) war aber deutlich zu spüren.

Unterdessen hat auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel Bayern zu einer schnellen Einigung im Disput über die neuen Trassen aufgefordert. Dabei empfahl er, auch mehr Erdkabel zu verlegen. Amprion macht das zum Teil auch schon. Nach Angaben des Unternehmens ist dieses Vorgehen aber aus physikalischen Gründen nur über eine bestimmte Länge möglich.

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