Huawei Top-Managerin verhaftet

Meng Wanzhou soll gegen Sanktionen verstoßen haben, die die USA gegen den Iran verhängt haben. 
Meng Wanzhou soll gegen Sanktionen verstoßen haben, die die USA gegen den Iran verhängt haben.  © Foto: Ng Han Guan/AP/dpa
Peking / Felix Lee 07.12.2018

Fünf Tage lang gelang es dem chinesischen Unternehmen Huawei, die Verhaftung seiner Finanzchefin geheim zu halten. Inzwischen hat die Firmenleitung des weltweit größten Netzwerkausstatters zugegeben: Meng Wanzhou ist in Haft. Kanadische Polizisten hätten sie auf ihrem Rückflug nach China auf dem Flughafen von Vancouver festgenommen. Ein Fehlverhalten sei dem Unternehmen aber nicht bekannt. Die kanadischen Behörden hätten nur wenige Informationen vorgelegt.

Meng, die sich mit Vornamen auch Sabrina nennt, ist die Tochter des Huawei-Patriarchen Ren Zhengfei und eine der reichsten Frauen Chinas. Die Verhaftung erfolgte nach Angaben der kanadischen Zeitung The Globe and Mail auf Geheiß des US-Justizministeriums. Der 46-Jährigen wird vorgeworfen, gegen Sanktionen verstoßen zu haben, die die USA gegen den Iran verhängt hat. Als Vorstandsmitglied von Huawei trage sie unmittelbare Verantwortung. Die USA haben ihre Auslieferung beantragt.

Tatsächlich ermitteln die USA bereits seit 2016 gegen Chinas erfolgreichstes Unternehmen, das in der Netzwerktechnik weltweit führend ist – also lange bevor Donald Trump US-Präsident wurde und das Iran-Abkommen aufkündigte. Die USA hatten 2015 ihre Sanktionen gegen den Mullah-Staat nur für kurze Zeit aufgehoben. Huawei soll jedoch all die Jahre Produkte in den Iran geliefert und damit nach Ansicht des US-Justizministeriums gegen Sanktionsgesetze verstoßen haben.

China hingegen hält an dem Atomabkommen fest und erkennt die Sanktionen gegen den Iran nicht an. Allerdings hat Trump bereits mehrfach damit gedroht, auch die Unternehmen zu sanktionieren, die sich dem widersetzen. Daraufhin haben sich auch einige chinesische Firmen aus dem Iran zurückgezogen.

Auf die Verhaftung der Huawei-Topmanagerin reagierte die chinesische Regierung am Donnerstag mit scharfer Kritik. Chinas Außenamtssprecher Geng Shuang forderte ihre umgehende Freilassung. Einen direkten Zusammenhang zum andauernden Handelsstreit mit den USA stellte der Regierungssprecher aber nicht her. Offenbar will China die gerade erst wieder aufgenommen Verhandlungen mit den USA nicht gefährden.

Trump und Chinas Staatspräsident Xi Jinping haben erst am vergangenen Wochenende am Randes des G20-Gipfels in Buenos Aires einen 90-tägigen „Waffenstillstand“ vereinbart. Hinter den Kulissen ist der Unmut in Peking allerdings groß. Von einer „neuen Runde des Handelskriegs“ ist in Regierungskreisen die Rede.

In Europa ist Huawei vor allem bekannt für seine Smartphones, die das Unternehmen inzwischen auch in schmucken Geschäften in zahlreichen deutschen Innenstädten anbietet. Bei den weltweiten Marktanteilen hat Huawei zuletzt sogar Apples iPhone von Platz zwei verdrängt. Das Hauptgeschäft macht Huawei allerdings mit Netzwerktechnik. Ein Drittel der weltweiten Netzwerke sind von dem chinesischen Unternehmen. In Deutschland, etwa beim Ausbau des schnellen LTE-Funknetzes, nutzen alle drei Mobilfunk-Netzbetreiber Technik von Huawei, für die Deutsche Telekom ist Huawei sogar der wichtigste Lieferant.

In den USA hingegen gibt es seit einigen Jahren einen Bann gegen Huawei. US-Geheimdienste warnen, Huawei könne im Auftrag der chinesischen Regierung beim Netzwerkausbau Spionagetechnik eingebaut haben. Einen Beleg haben die Geheimdienste aber nie geliefert. Inzwischen haben sich allerdings auch Australien und Neuseeland dem Bann angeschlossen, zuletzt auch der britische Provider BT.

Angeblich verlangt Washington auch von Deutschland, keine Technik mehr von Huawei zu nutzen. Die Deutsche Telekom hält die Spionagevorwürfe für unbegründet.

Konsequent in ihrer Politik gegen chinesische Netzwerkausstatter sind allerdings auch die USA nicht. Ebenfalls wegen Missachtung der Iran-Sanktionen und angeblichem Spioangeverdacht hatte Washington im Sommer auch gegen den chinesischen Netzwerk-Ausrüster ZTE einen Boykott verhängt. Trump hob diesen Bann wieder auf, nachdem Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping persönlich ihn darum bat. Das schmeichelte Trump offenbar. ZTE kam mit einer Geldstrafe davon.

Positives Signal aus Peking

China hat im Handelskonflikt mit den USA eine rasche Umsetzung der mit Washington getroffenen Vereinbarungen zugesichert. „China wird mit der Umsetzung bestimmter Punkte beginnen, bei denen ein Konsens erreicht wurde, je schneller desto besser“, erklärte das chinesische Handelsministerium. Für die Verhandlungen werde es einen „klaren Kalender und eine klare Roadmap“ geben. dpa

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