Frankfurt Top-Manager verlässt die Deutsche Bank

Der Abgang Stephan Leitners dürfte Teil des Konzernumbaus der Deutschen Bank sein.
Der Abgang Stephan Leitners dürfte Teil des Konzernumbaus der Deutschen Bank sein. © Foto: Deutsche Bank 
Frankfurt / ROLF OBERTREIS 17.10.2015
Die Deutsche Bank kommt nicht zur Ruhe. Innerhalb eines Jahres verlässt der dritte Top-Manager die Bank. Stephan Leitner geht Ende des Jahres. Mit einem Kommentar von Rolf Obertreis: Schonraum für Vorstände.

Frankfurt - Nach Privatkunden-Vorstand Rainer Neske und Co-Vorstandssprecher Anshu Jain verlässt 2015 der dritte Top-Manager die Deutsche Bank: Vorstandsmitglied Stephan Leithner - derzeit unter anderem für Personal und Europa zuständig - scheidet offenbar zum Jahresende aus und wechselt zur Beteiligungsgesellschaft EQT. Der Wechsel gilt als sicher, auch wenn weder Deutsche Bank noch EQT den Vorgang bestätigen. Mitte Juli hat die Finanzaufsicht Bafin auch Leithner in ihrem Zwischenbericht zum Skandal um die Manipulation des Interbankenzinses Libor kritisiert. Möglicherweise stehen wegen ähnlicher Vorwürfe drei weitere Vorstandsmitglieder auf der Kippe.

Der Abgang von Leithner dürfte auch Teil des Umbaus sein, den der seit Juli amtierende Co-Vorstandschef John Cryan umsetzt. Er führt die Bank praktisch allein. Co-Chef Jürgen Fitschen, der bis zur Hauptversammlung im nächsten Jahr im Amt bleibt, tritt praktisch überhaupt nicht mehr in Erscheinung.

Die Deutsche Bank hatte vor gut einer Woche für das 3. Quartal einen Rekordverlust von 6,2 Mrd. EUR angekündigt. Grund sind dramatisch hohe Abschreibungen auf Geschäfts- und Firmenwerte sowie Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten, die sich auf eine Summe von rund 7,6 Mrd. EUR summieren. Vermutlich am 29. Oktober wird sich Cryan zum ersten Mal öffentlich zu den Ergebnissen, zu seiner Strategie und zu den drastischen Einsparungen äußern, die mit einem Abbau tausender Arbeitsplätzen verbunden sein dürften. Die Bafin hat auch Vorwürfe gegen IT-Vorstand Henry Richotte, den für Zahlungsverkehr und die Postbank verantwortlichen Stefan Krause und Risiko-Vorstand Stewart Lewis erhoben.

Kommentar von Rolf Obertreis: Schonraum für Vorstände

Eine der größten Umbau-Maßnahmen in der Geschichte der Deutschen Bank geht Schritt für Schritt weiter. Mal mit kleineren, mal mit größeren, etwa als das Geldhaus in der vergangenen Woche wegen gigantischer Abschreibungen einen dramatischen Quartalsverlust in Höhe von 6,2 Milliarden Euro und den Ausfall der Dividende ankündigte. Bislang freilich blieb seit dem Amtsantritt von Co-Chef John Cryan, Anfang Juli, das Top-Management des Instituts ausgespart. Zwar geht Co-Chef Jürgen Fitschen im nächsten Frühjahr. Aber sonst war bislang nur klar, dass die Deutsche Bank in den Filialen und in anderen Abteilungen in den nächsten Jahren wohl Tausende von Stellen abbauen wird.

Es ist schon erstaunlich, dass andere Vorstände bislang ungeschoren davon kamen - abgesehen von Anshu Jain, der die Investmentsparte in der Zeit führte, in der die Manipulationen des Interbankenzinses Libor und wohl auch andere Vergehen stattfanden. Denn die Finanzaufsicht Bafin macht in Sachen Libor neben Jain auch anderen Vorständen und Top-Managern, darunter Stephan Leithner, teils heftige Vorhaltungen.

Der Österreicher kommt einem vermutlich unfreundlicheren Abschied von der Deutschen Bank zuvor. Möglicherweise folgen ihm weitere Top-Banker.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel