Dietenheim Textilunternehmer hat mit Nachhaltigkeit Erfolg

Andreas Merkel am Lieblingsplatz im Unternehmen: der Produktion im Werk Unterbalzheim. Hier werden die angelieferten Baumwoll-Ballen abgefräst, die Fasern gereinigt, gekämmt und förmlich drapiert (unser Bild), bevor sie weiterverarbeitet und zu Garn gesponnen werden. Foto: Volkmar Könneke
Andreas Merkel am Lieblingsplatz im Unternehmen: der Produktion im Werk Unterbalzheim. Hier werden die angelieferten Baumwoll-Ballen abgefräst, die Fasern gereinigt, gekämmt und förmlich drapiert (unser Bild), bevor sie weiterverarbeitet und zu Garn gesponnen werden. Foto: Volkmar Könneke
Dietenheim / ALEXANDER BÖGELEIN 30.03.2013
Eigentlich wollte Andreas Merkel Golf-Profi werden. Doch er entschied sich anders. Seit neun Jahren führt er eine kleine Spinnerei in der schwäbischen Provinz - und macht mit Öko-Konzepten Schlagzeilen.

Andreas Merkel steht mit einem leichten Lächeln in seinem modernen Textilwerk. Hier läuft etwas, hier fühlt sich der studierte Textiltechnik-Ingenieur, Fachrichtung Garnerzeugung, wohl. Spinnmaschinen bilden lange Schluchten und verdrehen laut ratternd dünne Baumwollfasern zu feinen Fäden. Merkel, der gemeinsam mit seinem Onkel die Gebrüder Otto Baumwollfeinzwirnerei GmbH & Co. KG mit Sitz in Dietenheim leitet, gehört zu den letzten Spinnereibetreibern im einstigen Textilland Baden-Württemberg, die den dramatischen Umbruch der Branche überstandenhaben und der Konkurrenz aus Fernost trotzen.

"Qualität und Service reichen dafür schon lange nicht mehr", erklärt der 40-Jährige, der seit neun Jahren mit seinem Onkel (65) die Geschäfte des Textilunternehmens mit 155 Mitarbeitern führt. "Wir haben ein kollegiales Verhältnis, das auf gegenseitigem Respekt beruht", erzählt Merkel.

Seit 1998, als Merkel nach dem Studium ins Unternehmen kam, setzt die Spinnerei auf nachhaltige und innovative Produktkonzepte. Mit Erfolg. Das 1901 vom Urgroßvater gegründete Unternehmen ist mehrfach öko-zertifiziert und ausgezeichnet worden, beispielsweise mit dem Umweltpreis Baden-Württemberg oder als nachhaltiger Hersteller. Merkel wird wegen der umweltfreundlichen Firmenphilosophie von der Bundesregierung eingeladen, wenn es um nachhaltiges Wirtschaften geht, und gehört seit kurzem dem Expertenrat der Bertelsmann-Stiftung für Unternehmerische Sozialverantwortung an.

In Sachen Innovation und ökofreundliche Produkte hat das Unternehmen schon mehrfach in der Branche für Furore gesorgt. So ist es beispielsweise Merkel in Kooperation mit der Universität Ulm gelungen, ein Garn namens Recot zu entwickeln, bei dem Bio-Baumwolle mit recycelten Faserabfällen versponnen wird.

Der große Vorteil: Pro Kilo Recot werden gegenüber herkömmlichen Garnen 5000 Liter Wasser weniger eingesetzt. Gerade bei Baumwolle sei das Thema Ressourcenknappheit ein Riesenthema, erklärt Merkel, der ständig auf der Suche nach Möglichkeiten ist, die Ökobilanz des Unternehmens zu verbessern.

Sensibilisiert worden für Umweltthemen sei er schon seit der siebten Klasse. Als in dem 6500 Einwohner zählenden Städtchen, das an der Landesgrenze zu Bayern liegt, ein umstrittener Straßenzubringer gebaut wurde, grub Merkel damals mit anderen jungen Leuten Schlüsselblumen aus und pflanzte sie um. "Ein Öko-Hardliner bin ich aber nicht", sagt der Familienvater, wohl aber ein Unternehmer, der zu seiner gesellschaftlichen Verantwortung steht. "Wir leben, was wir sagen", lautet sein Grundsatz.

Respekt und Toleranz zählen für ihn nicht nur als Werte in der Erziehung seiner Kinder, sondern auch im Umgang mit Mitarbeitern und Kunden. "Ich schätze Offenheit, Klarheit, Transparenz und versuche Mitarbeitern, viel Vertrauen zu schenken", sagt Merkel, der bei zwei jeweils sechsmonatigen USA-Aufenthalten im Rahmen seines Studiums die Vorzüge von flachen Hierarchien kennenlernte. Der gebürtige Illertissener ist ein Fan von Ordnung und Struktur. Das zieht sich von dem blitzblanken Boden in der Spinnerei bis hin zu seinem aufgeräumten Schreibtisch, der auch in einem Katalog für Büroausstattung abgebildet werden könnte.

Vor einem halben Jahr hatte der Mittelständler Besuch von einem Unternehmensberater. Der erklärte ihm, was er aus Renditegesichtspunkten ändern müsste. "Die Produktion wäre dann verlagert, wir hätten viel weniger Mitarbeiter. Wenn jeder Unternehmer so denken würde, wäre das für den Standort eine Katastrophe. Jedes Unternehmen hat schließlich auch die Verantwortung, Zukunft zu gestalten", betont Merkel.

Dabei hätte er beinahe einen anderen Berufsweg eingeschlagen. Bis zum Abitur lautete sein Berufswunsch: Golf-Profi, er spielte im Bayern-Kader. "Meine Mutter war von diesen Plänen nicht begeistert", erinnert er sich. Mit den Eltern, die die Firma Maschentex in Dietenheim aufgebaut haben, die heute Merkels jüngerer Bruder leitet, gab es lange Gespräche am Küchentisch. "Die Entscheidung haben sie mir überlassen."

Er hat es nie bereut, dass er letztlich kein Golf-Profi geworden, sondern bei seinem Onkel eingestiegen ist. "Mir macht meine Aufgabe sehr viel Spaß. Die ist sehr abwechslungsreich." Als Unternehmer könne er gestalten, neue Produkte erfinden und mit Kunden sprechen. "Zudem ist es einfach schön, mit Textilien umzugehen."

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