München/Berlin / DPA  Uhr
In Kinderzimmern wächst der Spielzeugberg unaufhörlich. Dies könnte sich aber bald ändern: Denn immer mehr Eltern halten sich an den neuesten Trend und setzt auf Tauschen oder Mieten statt auf Kaufen.

Viele Eltern können ein Lied davon singen: Kaum zwei, drei Mal haben die Kinder mit dem neuen Puppenwagen oder der Autorennbahn gespielt, dann steht das Spielzeug in der Ecke und verstaubt. Mit jedem Weihnachtsfest und Geburtstag wächst der Spielsachenberg. Doch allmählich setzt ein Umdenken ein: Teilen und Tauschen statt Kaufen und Wegwerfen heißt die Devise. Dass man damit nicht nur Ressourcen schonen, sondern auch Geld verdienen kann, zeigen neue Geschäftsmodelle, die rund um den vom Internet beflügelten Trend entstanden sind.

Er gibt auch der schwächelnden deutschen Gründerszene Auftrieb. Geteilt, getauscht oder gemietet werden kann schon vieles übers Netz: Wohnungen etwa und Autos oder Lebensmittel, Kleider, Kostüme und Werkzeug, Bücher - und eben auch Spielzeug. Angebote dafür halten Plattformen wie rentatoy.info, elternmarkt.de oder dietauschbörse.de bereit.

Das Münchner Unternehmen Kleiderkreisel mit seinem auf Mütter fokussierten Ableger Mamikreisel bietet den Nutzern einen virtuellen Flohmarkt für gebrauchte Kleidung und Spielzeug an. Wer mag, kann seine Sachen über die Plattform auch anderen Nutzern schenken oder unentgeltlich tauschen. Rund 1 Mio. Mitglieder hat der vor vier Jahren gegründete Kleiderkreisel nach Angaben einer Unternehmenssprecherin bereits. Die Firma finanziere sich über Werbung und schreibe schwarze Zahlen.

So weit ist meinespielzeugkiste.de aus Berlin noch nicht. Über die Internetseite der 2011 gegründeten Firma können sich die Kunden per Abo-Modell Wunschspielzeug für ihre Kinder zusammenstellen, zusenden lassen und so lange nutzen, bis die Kleinen die Lust daran verlieren. Dann werden die Sachen zurückgeschickt und eine neue Kiste kommt ins Haus. Wer möchte, kann das gemietete Spielzeug aber auch mit Rabatt kaufen. Rund 650 Abonnenten hat das Startup inzwischen gewonnen, jeden Monat kommen derzeit etwa 100 bis 150 dazu, sagt Mitbegründer Florian Spathelf.

Der 29-Jährige hat sich vor Jahren von Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus von der Idee faszinieren lassen, soziale Probleme mit wirtschaftlichen Mitteln zu lösen. Die Ökonomie des Teilens - von der diesjährigen Cebit als "Shareconomy" gefeiert - sieht der studierte Betriebswirt als "logische Entwicklung der Wohlstandsgesellschaft" und nicht als kurzlebigen Hype. Denn vor allem jungen Menschen sei Flexibilität heute wichtiger als sich beispielsweise das Zimmer mit Möbeln vollzustellen.

Trotzdem: So ganz aus der Mode kommen wird das Eigentum nicht, ist Andreas Steinle vom Frankfurter Zukunftsinstitut überzeugt. Wo Besitz belastet, verliere er zwar an Status. Ganz aktuell zeige sich aber, dass die Menschen bestimmte Dinge wie Immobilien durchaus sehr gerne besitzen möchten, sagt der Experte für Konsumtrends. "Ich glaube auch, dass Frauen sich durchaus weiter darüber freuen, wenn das Schmuckstück, dass man ihnen schenkt, nicht wieder zurückgeführt wird in den Kreislauf der Shareconomy, sondern sie den Ring dann auch behalten dürfen."

Auch der Spaß am Kaufen dürfte den Menschen nicht so schnell vergehen, sondern allenfalls durch die neuen Angebote aus der Welt des Teilens und Tauschens ergänzt werden. Ohnehin sei das Gemeinschaftsprinzip in Wirtschaft und Gesellschaft alles andere als neu: In Dorfgemeinschaften lieh man sich schon immer gegenseitig Werkzeug oder half sich bei anstehenden Arbeiten. Neu ist aber, dass dank des Internets auch völlig Fremde miteinander unkompliziert ins Tauschgeschäft kommen könnten.