Viele Pakete und Briefe dürften auch am Donnerstag liegen geblieben sein. Denn die Gewerkschaft Verdi hat bei der Deutschen Post erneut zu Warnstreiks aufgerufen. Auch nach der zweiten Tarifrunde in der vergangenen Woche lagen die Positionen zwischen Post und Gewerkschaft noch weit auseinander.

Streik um Gehaltserhöhung: Verdi sieht Angebot der Deutschen Post als Provokation

Die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Andrea Kocsis sagte, die Post wolle die Mitarbeiter mit einer Erhöhung von 1,5 Prozent abspeisen. Das sei eine Provokation, die sich die Beschäftigten nicht bieten lassen wollten. Beispielsweise in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Hamburg folgten Verdi-Mitglieder dem Aufruf zum Warnstreik der Dienstleistungsgewerkschaft. Auch in Baden-Württemberg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen rief Verdi zu Warnstreiks auf. Hintergrund sind die laufenden Tarifverhandlungen für die bundesweit rund 140.000 Tarifbeschäftigten der Deutschen Post AG.

Deutsche Post und Verdi: Tarifverhandlungen gehen in die nächste Runde

In den bisherigen Tarifgesprächen liegen die beiden Parteien noch weit auseinander. Nach Angaben der Gewerkschaft wollte die Deutsche Post ihren Beschäftigten zuletzt 1,5 Prozent mehr Geld für zwölf Monate anbieten. Dagegen hält Verdi an einer Einkommenserhöhung von 5,5 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten fest. Zudem sollen Azubis und Dual-Studierende eine monatliche Erhöhung von 90 Euro erhalten. Die nächste Verhandlungsrunde findet am 21./22. September statt. Die Post will dann ein konkretes Angebot vorlegen.

In Hamburg: 400.000 Haushalte und Firmenkunden von Warnstreik betroffen

Durch den Warnstreik könnten etwa in Hamburg bis zu 16.000 Pakete nicht zugestellt werden, wie die Gewerkschaft am Donnerstag mitteilte. Davon seien rund 400.000 Haushalte und Firmenkunden betroffen. In Sachsen und Sachsen-Anhalt sollen Gewerkschaftsangaben zufolge im Tagesverlauf insgesamt 800 Menschen ihre Arbeit niederlegen.
In dem Tarifkonflikt hatten schon am Mittwoch Post-Mitarbeiter bei einem Warnstreik die Arbeit niedergelegt.

Wie lange müssen die Menschen noch mit ausbleibenden Paketen rechnen?

Mit den Warnstreiks solle der Druck auf den Vorstand der Deutschen Post AG in der gegenwärtigen Tarifrunde sukzessive weiter erhöht werden, erklärte ein Sprecher von Verdi Bayern. Die nächste Verhandlungsrunde soll am 21. September stattfinden. Bis dahin wird es vermutlich zu weiteren Streiks kommen. Daher kann es weiterhin zu Verzögerungen bei Briefen und Paketen kommen.

Streik der Deutschen Post in Baden-Württemberg: Auch Reutlingen betroffen

In Baden-Württemberg mehrere Hundert Beschäftigte die Arbeit niedergelegt. Betroffen von den Warnstreiks waren den Angaben zufolge am Donnerstag die Briefverteilzentren Karlsruhe, Heilbronn und Mannheim sowie Teile der Brief- und Paketzustellung in mehreren Regionen. Am späten Mittwochnachmittag hatte die Gewerkschaft bereits zu Aktionen in den Briefverteilzentren Reutlingen und Villingen-Schwenningen aufgerufen. Verdi sprach von insgesamt 800 Teilnehmern an beiden Tagen.
„Die Beschäftigten hatten und haben in und durch die Pandemie eine erhebliche Arbeitsverdichtung zu schultern, der Post-Konzern will die dadurch erwirtschafteten Gewinne einbehalten“, sagte Landesfachbereichsleiterin Martina Dudek.