Stuttgart Takeda konzentriert sich auf Spezialarzneien

Nach massiven Stellenstreichungen will der deutsche Ableger der japanischen Pharmafirma Takeda mit Spezialarzneien zurück in die Erfolgsspur.
Nach massiven Stellenstreichungen will der deutsche Ableger der japanischen Pharmafirma Takeda mit Spezialarzneien zurück in die Erfolgsspur. © Foto: Takeda
Stuttgart / OLIVER SCHMALE 21.08.2014
Immer mehr Pharma-Firmen suchen ihre Nische für Spezialmedikamente. So auch die deutsche Tochter des asiatischen Takeda-Konzerns. Er richtet sich nach einem massiven Stellenabbau in Konstanz neu aus.

Weg von der Massenware hin zu Spezialarzneien. Immer mehr Arzneimittelhersteller suchen sich in dem hart umkämpften Markt ihre Nische, um erfolgreich zu sein. Die deutsche Tochter des japanischen Takeda-Konzerns konzentriert sich künftig auf Mittel für bestimmte Krankheitsbereiche. "Wir haben unsere Stoßrichtung komplett verändert. Der Schwerpunkt liegt ganz klar auf Spezialpräparaten für Fachärzte", sagte Jean-Luc Delay, der Geschäftsführer der in Berlin ansässigen Takeda Pharma Vertrieb GmbH & Co. KG.

Der japanische Branchenprimus setzt verstärkt auf entsprechende Medikamente in der Urologie, bei Atemwegserkrankungen, der Onkologie, der Chirurgie, auf Erkrankungen des zentralen Nervensystems und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen.

Takeda folgt mit seiner Ausrichtung anderen Pharmaherstellern, die diesen Weg bereits schon seit längerer Zeit gehen. Deutschland ist für die Japaner der wichtigste Markt. Im vergangenen Jahr betrugen die Umsatzerlöse nach Angaben von Branchenexperten über 250 Mio. EUR.

Delay selber machte zu dem Thema keine konkrete Aussage. Der gebürtige Schweizer, der seit 1999 bei Takeda ist und seit 2012 an der Spitze der deutschen Tochter steht, hat sich einiges vorgenommen. Analog wie in Europa soll auch in Deutschland der Umsatz jährlich um 5 Prozent gesteigert werden. Die Spezialprodukte können zu höheren Preisen verkauft werden. "Heute machen wir in Deutschland schon die Hälfte des Umsatzes mit Spezialpräparaten. Das soll in den nächsten Jahren kräftig ausgebaut werden."

Ein wichtiger Schritt bei der neuen Strategie ist die kürzlich erfolgte Markteinführung des Medikaments Entyvio (Vedolizumab). Dabei handelt es sich um ein Mittel gegen chronisch-entzündliche Darmkrankheiten Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa. Der Markt für Biopharmazeutika in diesem Bereich werde auf rund 400 Mio. EUR geschätzt. "Da wollen wir gezielt mit Entyvio rein und uns eine starke Position erarbeiten."

Takeda konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr (31. März) seinen weltweiten Umsatz um 8,6 Prozent auf 12,7 Mrd. EUR steigern. Der größte asiatische Pharma-Konzern belegte damit nach Angaben des Marktforschungsinstituts IMS Health im vergangenen Jahr Platz 15 unter den weltweit forschenden Arzneimittelherstellern. Im Zuge der breiteren internationalen Aufstellung kaufte Takeda 2011 das schweizerische Unternehmen Nycomed für knapp 10 Mrd. EUR. Damit hatte Takeda seine Position kräftig ausgebaut.

Im Zuge der Eingliederung wurden in Deutschland 1000 Stellen gestrichen - in Verwaltung, Forschung und Vertrieb. Besonders hart traf es Konstanz. Dort sind rund 700 Stellen weggefallen, aktuell werden dort noch 170 Mitarbeiter gezählt. Als vor einigen Jahren Nycomed die ehemalige Pharmasparte von Altana übernommen hatte, waren bereits viele Stellen am Bodensee gestrichen worden. Der Standort in Aachen wurde komplett aufgelöst. "Die Neuausrichtung ist abgeschlossen", sagt Delay. Es sei kein weiterer Stellenabbau geplant. Takeda beschäftigt jetzt 1700 Mitarbeiter in Deutschland, 1300 davon in Oranienburg sowie in Singen. Dort werden injizierbare Medikamente hergestellt.

Jetzt sollen neue Arbeitsplätze entstehen. In Singen werden rund 100 Stellen geschaffen und in Oranienburg bis zu 160 Arbeitsplätze, berichtete der Geschäftsführer. Takeda will zugleich mit einer Serie von neuen Medikamenten punkten. "Weltweit werden 20 Substanzen in den nächsten fünf Jahren eingeführt." 148 Substanzen werden von Takeda erforscht. Vergangenes Jahr hat man 2,5 Mrd. EUR für Forschung ausgegeben. Ein Drittel davon floss in den Bereich Onkologie.

Die Entwicklung von Krebsmedikamenten wird verstärkt. Deshalb wurde 2008 die US-Biotechnik-Firma Millennium gekauft. So ist in Deutschland im kommenden Jahr die Einführung eines Medikamentes gegen Knochenmarkkrebs geplant. Und ein Jahr später ein Mittel gegen eine spezielle Form des Lymphdrüsenkrebs. Insgesamt bietet das Unternehmen aktuell rund 40 Präparate an.

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