Übernahme Südwestbank wird nach Österreich verkauft

Stuttgart/Wien / Helmut Schneider 26.05.2017

So oft kommt das nicht vor, dass eine Großbank aus Österreich eine kleinere Regionalbank aus Deutschland kauft. Jetzt will die 2005 aus der Fusion der früheren Gewerkschaftsbank mit der Postsparkasse entstandene Wiener Bawag P.S.K. die Stuttgarter Südwestbank übernehmen. Das teilten die Österreicher gestern mit. Wenn unterschrieben ist, werde man den Vollzug bekanntgeben.

Die gewissermaßen umgekehrte Transaktion ist in der Branche noch gut in Erinnerung: Die BayernLB, die Landesbank des Freistaates, erlebte 2007 mit dem Kauf der Hypo Alpe Adria aus Kärnten ein finanzielles Fiasko, an dessen Ende ein Verlustgeschäft von 5 Mrd. € stand.

Die Bawag P.S.K. ist mit einer Bilanzsumme von 40 Mrd. € sowie 3000 Mitarbeitern und 2,2 Mio. Privat- und Firmenkunden deutlich größer als die Südwestbank. Die brachte es vergangenes Jahr auf eine Bilanzsumme von 7 Mrd. €, die von 650 Mitarbeitern in 28 Filialen in Baden-Württemberg erarbeitet wurden.

Die Bawag hatte schon vor zwei Jahren ihre Fühler nach Deutschland ausgestreckt, als die Deutsche Bank ihre Tochter Postbank zum Verkauf anbot, sich dann aber anders entschied. Daraus wird das Interesse der Wiener deutlich: Sie wollen auf dem deutschen Markt stärker Fuß fassen. Das soll nun mit der kompletten Übernahme der Südwestbank geschehen.

Bawag-Chef Anas Abuzaakouk sagte denn auch der österreichischen Nachrichtenagentur APA: „Wenn der Kauf abgeschlossen wird, wird dies unsere Plattform, um in Deutschland organisch und mit Zukäufen zu wachsen.“ Das Ziel sei ein „signifikantes“ Wachstum nicht nur in Baden-Württemberg, sondern in ganz Deutschland. Man habe für die Komplettübernahme ausreichend Kapital, sagte Abuzaakouk. Mehrheitsaktionär mit einem Anteil von 52 Prozent ist die US-Investmentgesellschaft Cerberus.

Die Südwestbank gehört bislang den beiden Hexal-Gründern, Andreas und Thomas Strüngmann. Die beiden waren 2004 in das Institut eingestiegen. Als unabhängige Privatbank lege sie ihren Schwerpunkt auf Privat- und Firmenkunden sowie auf die Vermögensverwaltung, heißt es in der Pressemitteilung. Man zähle sich zu den wichtigsten Universalbanken in Deutschland.

Die Südwestbank war 1922 als Württembergische Landwirtschaftsbank gegründet worden. Seit 1970 firmiert sie als Aktiengesellschaft unter dem heutigen Namen. Die Bank mit Sitz in Stuttgart konnte im vergangenen Jahr ihre Geschäfte deutlich ausbauen. Das Betriebsergebnis vor Steuern kletterte um fast ein Viertel auf 78,8 Mio. €, auch der Zinsüberschuss stieg um 23,5 Prozent auf 159,6 Mio. €.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel