Wer 2014 einen Urlaub buchen wollte, musste sich auf eine neue Krisen-Landkarte einstellen. Reisen nach Osteuropa waren von der Ukraine-Krise überschattet, Israel fiel wegen des wieder aufgeflammten Gaza-Konflikts aus, in West-Afrika tobte das Ebola-Virus. Keine guten Vorzeichen für die Reisemesse Caravan, Motor und Touristik (CMT), die am kommenden Wochenende (17. Januar) in Stuttgart startet, könnte man meinen. Doch obwohl die Welt unsicherer geworden zu sein scheint, ist die Lust am Reisen ungebremst.

Im vergangenen Jahr haben die Deutschen für Urlaub insgesamt gut 2 Prozent mehr Geld ausgegeben. Der Branchenumsatz ist nach Schätzungen des Deutsche Reise-Verbands (DRV) auf gut 25,8 Mrd. EUR gestiegen. Die Zahl der Urlauber ist auf hohem Niveau stabil geblieben. Die CMT, die in diesem Jahr von den Partnerländern Seychellen und Rumänien flankiert wird, steuert nach Angaben eines Messe-Sprechers auf einen Aussteller-Rekord zu. Das Messegelände sei komplett ausgebucht. Rund 241 000 Besucher kamen 2014 auf die CMT. Die Veranstalter rechnen in diesem Jahr mit rund 220 000 Urlaubsinteressierten. Allerdings wurden in den Vorjahren die Erwartungen meistens übertroffen.

"Touristen sind flexibel", beschreibt Martin Lohmann vom Institut für Tourismus und Bäderforschung in Kiel die Entwicklung. Wird eine Region zu unsicher, suchen sich die Menschen andere Ziele. Passiert ein Anschlag wie jüngst gegen das Satiremagazin "Charlie Hebdo" in Paris, werde fix umgebucht. Langfristig werde Paris deshalb aber nicht gemieden, prognostiziert Lohmann. Die Anschläge in Madrid 2004 und London im Jahr 2005 hätten den Tourismus dort auch nicht zum Erliegen gebracht.

"Urlauber wollen trotzdem reisen", sagt eine Tui-Sprecherin. Reiseziele wie Ägypten, die nach dem arabischen Frühling gemieden wurden, erholten sich beispielsweise wieder. Laut DRV ziehen auch die Buchungen für Ägypten an. Die Euro-Schwäche und einen möglichen Ausstieg der Griechen aus dem Euro kann die Branche nach Einschätzung des DRV-Sprechers abschmettern.

"Die Preise für ein Jahr sind in der Regel ausgehandelt und damit abgesichert", erklärt ein DRV-Sprecher. Die Veranstalter haben der Tui-Sprecherin zufolge die Preise für ihre Kataloge teilweise schon bis in den Winter 2015/16 fest gezurrt. Damit sei der für die Urlauber positive starke Euro in den Komplettangeboten festgehalten. Sollte der Euro allerdings weiter schwächeln, würden Reisen außerhalb der Eurozone attraktiver.

Lohmann zufolge sind die Probleme der Branche eher hausgemacht. Dazu gehörten zum Beispiel hohe Überkapazitäten. "Es gibt zu viele Angebote, die übersteigen ein potenzielles Nachfragewachstum", sagt Lohmann. Wie hart sich der Wettbewerb im Reisebereich teilweise gestalte, zeige das Beispiel Fernbusse.

Ein hoher Preisdruck herrsche vor allem bei den Pauschalreisen. "Das bedeutet aber nicht, dass die Reisenden weniger ausgeben", sagt Lohmann. Vielmehr gönnten sich die Urlauber stattdessen gern einen teureren Urlaub. Die oberen Preisklassen mit Reisen von mehr als 3000 EUR pro Person legten zuletzt besonders stark zu.

Wie die Buchungen in diesem Jahr ausfallen, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Die meisten Urlaubsreisen werden der Tui-Sprecherin zufolge erfahrungsgemäß im Januar und Februar gebucht. Eines wird sich aber nach Einschätzung von Lohmann auch 2015 nicht ändern. Das liebste Reiseziel der Deutschen wird wohl auch weiter das eigene Land bleiben.

Die endgültigen Daten für das Tourismusjahr 2014 liegen noch nicht vor, doch die Branche geht davon aus, dass die Zahl der Übernachtungen in Deutschland erneut zugelegt haben dürfte. Ein Jahr zuvor hatte die Bundesrepublik das vierte Rekordjahr in Folge verzeichnet. Damals verbuchten die Hotels und Pensionen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes einen Anstieg von 407 Mio. auf 411 Mio. Übernachtungen.

90 Länder vertreten

Rekord Die Reisemesse Caravan Motor Touristik (CMT) in Stuttgart steuert auf einen Aussteller-Rekord zu. Bislang wird mit 2000 Ausstellern gerechnet, die vom 17. bis 25. Januar ihre Neuheiten zeigen, das wären soviel wie nie zuvor. Alle neun Ausstellungshallen sind laut Messe Stuttgart ausgebucht. Vertreten sind 90 Länder, Partnerländer sind in diesem Jahr die Seychellen und Rumänien. Insgesamt präsentieren sich 360 Regionen und Städte auf der CMT. Die aktuelle Partnerregion für den

Caravaning-Bereich (850 Wohnwagen und Wohnmobile) ist die Kvarner Bucht in Kroatien.

Weitere Infos unter: www.messe-stuttgart.de/cmt/besucher