Ausbildung Studium mit internationalem Flair

„Große Bereicherung“: Wer seine Englisch-Kenntnisse perfektionieren will, sollte gleich in dieser Sprache studieren. Wie hier an der European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin.
„Große Bereicherung“: Wer seine Englisch-Kenntnisse perfektionieren will, sollte gleich in dieser Sprache studieren. Wie hier an der European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin. © Foto: dpa
swp 03.02.2018

Immer mehr Hochschulen in Deutschland bieten Studiengänge auf Englisch an. Fast 2000 internationale Studienprogramme verzeichnet der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) auf seiner Webseite, darunter mehr als 1000 Master-Studiengänge. Attraktiv sind solche Angebote natürlich für Ausländer, die in Deutschland studieren wollen. Aber auch für Deutsche kann es sinnvoll sein, sich in einen englischsprachigen Studiengang einzuschreiben.

 Stephan Schäfer hat das gemacht. Der 33-Jährige hat im Januar 2017 einen einjährigen Aufbaustudiengang an der privaten European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin begonnen. „Mit meinen Kommilitonen spreche ich eigentlich ausschließlich Englisch“, erzählt er. Von den 65 Studenten in seinem Studiengang hätten nur 3 einen deutschen Pass. „Das war eine ganz bewusste Entscheidung.“ In etlichen Studiengängen an deutschen Unis sei die Studentenschaft sehr homogen. „Die Internationalität empfinde ich dagegen als große Bereicherung.“

 Für einen englischsprachigen Studiengang sprechen aus der Sicht von Nick Barniville vor allem zwei Argumente: „Zum einen ist die Vielfalt der Studierenden sehr viel größer“, erläutert der stellvertretende Studiendekan an der ESMT. An der Berliner Hochschule sind oft bis zu 40 Nationen in einem Studiengang vertreten. Zum anderen sei ein Studium auf Englisch für alle interessant, die ihre Sprachkenntnisse perfektionieren wollen, weil sie später in einer internationalen Firma arbeiten wollen. „So kann man sich teure Sprachkurse sparen.“

 Die Studiengänge an der ESMT sind international akkreditiert – wie an vielen anderen Hochschulen. Der Vorteil: Probleme mit der Anerkennung der Abschlüsse im Ausland gibt es dann nicht. Über Austauschprogramme mit Partnerunis können Studenten oft einen Teil ihres Studiums im Ausland verbringen.

Es sind keineswegs nur private Hochschulen, die auf Englisch unterrichten. Auch immer mehr staatliche Unis wollen ihr Profil schärfen  und bieten solche Studiengänge an. Die TU München will bis 2020 sogar fast alle Master-Angebote auf Englisch umstellen.

 Von diesem Trend sind keineswegs alle begeistert. „Wir haben schon vor rund zehn Jahren festgestellt, dass die zunehmende Umstellung der Lehre auf Englisch zu Qualitätseinbußen geführt hat“, sagt der Münchener Professor Ralph Mocikat. Gemeinsam mit einigen Kollegen hat der Biomediziner deshalb den Verein ADAWIS gegründet. Die Abkürzung steht für „Arbeitskreis Deutsch als Wissenschaftssprache“. Er habe nichts gegen einen „vernünftigen Gebrauch“ von Fremdsprachen in der Lehre, sagt Mocikat. „Etwa wenn Amerikanische Geschichte auf Englisch gelehrt wird oder Französische Literatur auf Französisch“. Allerdings stört sich der Forscher daran, wenn die Lehrsprache generell auf Englisch umgestellt wird. „Dann sinkt das Niveau erheblich.“ Die Sprachkenntnisse der deutschen Professoren würden fast nie an jene von Muttersprachlern heranreichen. Die Folge sei ein Verlust an Komplexität.

 Was für die Lehrenden gilt, trifft auch auf die Lernenden zu: „Studien zeigen, dass sich Studenten deutlich weniger merken, wenn das Lehrbuch in einer Fremdsprache geschrieben ist.“ Von einem ausschließlich englischsprachigen Studiengang rät Mocikat Studienanfängern daher ab. Stattdessen empfiehlt er, Zeit in den Erwerb einer weiteren Fremdsprache zu investieren. „Englisch kann jeder, mit einer zusätzlichen Fremdsprache ist man gut gewappnet für die internationale Arbeitswelt.“

 Wer sich fragt, ob seine Sprachkenntnisse für ein Studium auf Englisch ausreichen, sollte mit ehemaligen Studenten sprechen, rät Barniville. „Wer bereits einen englischsprachigen Bachelor gemacht hat, erfüllt die Zulassungskriterien.“ Dasselbe gilt für Bewerber, die bereits zwei Jahre in einem Unternehmen auf Englisch gearbeitet haben. Alle anderen müssen einen Sprachtest machen. Doch der Studiendekan sagt auch: „Die Englischkenntnisse von deutschen Bewerbern sind, ehrlich gesagt, immer sehr gut.“ Da müsse sich niemand Sorgen machen, dass er dem Stoff nicht folgen könne.

 Stephan Schäfer hat bereits während seines Physikstudiums ein Auslandsjahr in Schottland verbracht. Deshalb sei er im Englischen relativ sicher, berichtet er. Trotzdem: Auch für ihn waren viele Spezialausdrücke noch neu.  Schäfer gefällt besonders, dass nicht nur die Vorlesungen auf Englisch gehalten werden,  sondern die Sprache auch im Alltag genutzt wird.

Natürlich gebe es auch mal Reibereien, etwa bei Gemeinschaftsaufgaben: „Ein Amerikaner geht Aufgaben eben anders an als ein Inder“, erzählt der Student. Ein Problem sei das aber nicht: „Dann dauert es halt mal etwas länger, bis man sich auf ein Vorgehen verständigt hat.“