Jeder fünfte Industriebetrieb hat wegen der unsicheren Energie- oder Rohstoffversorgung bereits Aktivitäten ins Ausland verlagert, oder er plant dies. Das ergab eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), an der sich 1520 Unternehmen beteiligten. Das hält DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann für alarmierend: Er befürchtet, dass Deutschland im Zuge der Energiewende an Attraktivität für ausländische Investoren verliert.

Nicht die Eurokrise, sondern steigende Energiepreise nennen die Unternehmen als ihr größtes Problem: 86 Prozent befürchten, dass sie für ihr Geschäft an Bedeutung gewinnen. Mehr als der Hälfte machen mögliche Stromausfälle oder Spannungsschwankungen Sorgen.

Steigende Rohstoffpreise gewinnen nach Ansicht von drei Vierteln der Firmen an Brisanz. Vor einem Jahr waren es erst 58 Prozent. Insbesondere für die Industrie ist dies eine große Herausforderung. Hier hält es Driftmann für nachvollziehbar, wenn etwa bei Seltenen Erden Aktivitäten abwandern: Die Erzeugerländer erwarten verstärkte Produktion vor Ort.

Als Gegenmaßnahmen stehen bei Rohstoffen die Suche nach anderen Lieferanten und der effizientere Einsatz ganz vorn. Bei der Energieversorgung setzen drei Viertel auf mehr Energieeffizienz. Es folgen der Aufbau langfristiger Lieferbeziehungen und der Wechsel des Lieferanten. Fast 30 Prozent haben eine eigene Energieversorgung aufgebaut oder planen dies. Dabei ist offen, ob es sich um Solaranlagen auf dem Fabrikdach oder um aufwändigere Anlagen handelt.

Kritisch sieht Driftmann die Umsetzung der Energiewende durch die Politik. Als größtes Problem nennen die Unternehmen die öffentliche Akzeptanz des Netzausbaus. Der DIHK-Chef sorgt sich, dass der Zeitplan zu ehrgeizig ist. Innerhalb der Bundesregierung fehlt ihm dabei ein effektives Projektmanagement: Die Kanzlerin müsse dafür sorgen, dass Wirtschafts- und Umweltminister besser zusammenarbeiten. Driftmann plädiert aber nicht für ein eigenes Energieministerium. Strom könnte bald noch teurer werden: Der DIHK befürchtet, dass die EEG-Umlage zur Förderung von Solar- und Windstrom von derzeit 3,6 Cent auf 4,5 Cent je Kilowattstunde 2013 steigt.