Verwaltung Steuererklärung 2016: Steuerzahler im Ländle haben länger Zeit

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Stuttgart / Dieter Keller 22.05.2017
Endspurt für die Steuererklärung 2016: In vielen Fällen muss sie bis Ende Mai beim Finanzamt sein. Mancher Baden-Württemberger hat mehr Zeit – wenn er die Erklärung online abgibt.

Alle Jahre wieder sitzen viele ausgerechnet an schönen Mai-Wochenenden am Schreibtisch, um ihre Steuererklärung fertigzubekommen. Denn wer verpflichtet ist, eine abzugeben, muss dafür sorgen, dass sie spätestens am 31. Mai beim Finanzamt ist. Immerhin lohnt es sich in den meisten Fällen: Im Schnitt 900 € bekommen die Steuerzahler heraus. Die Baden-Württemberger können sich zwei Monate mehr Zeit lassen, also bis Ende Juli. Allerdings nur, wenn sie Elster nutzen, was für die Elektronische Steuererklärung steht. Das machen immerhin schon 60 Prozent.

Dafür hat die Landesfinanzministerin Edith Sitzmann (Grüne) gesorgt: Sie zieht für den Südwesten bei Elster-Nutzern eine Regelung vor, die bundesweit erst ab 2019 gilt, also ab der Steuererklärung für das Jahr 2018. Sitzmann sieht dies als Anreiz für die elektronische Steuererklärung: „Wir möchten, dass möglichst viele die Vorteile von Elster nutzen.“  Davon profitierten die Bürger, die unkomplizierten Zugang zum Finanzamt haben, und die Finanzbeamten, die rasch die Steuererklärungen bearbeiten können.

Ihr bayerischer Kollege Markus Söder (CSU) eifert ihr nach, aber nur halbherzig: Auch dort haben Elster-Nutzer zwei Monate mehr Zeit, allerdings nur, wenn sie sich bei der Abgabe elektronisch authentifizieren, und das tun die wenigsten. Die wichtigsten Fakten:

Wer ist verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben? Arbeitnehmer nur, wenn sie neben dem Gehalt zusätzliche Einkünfte von mehr als 410 € im Jahr haben, etwa aus Vermietung. Zusatzquellen können auch Lohnersatzleistungen wie Arbeitslosengeld I, Kranken-, Kurzarbeiter-, Insolvenz- Mutterschafts- und Elterngeld sein sowie Aufstockungsbeträge zur Altersteilzeit. Wer einen zweiten Arbeitsvertrag mit Steuerklasse VI hat, ist ebenso in der Pflicht wie Ehepaare, die beide Steuerklasse IV mit einem Faktor gewählt haben, um die Steuerabzüge gleichmäßiger zu verteilen, oder Steuerklasse III/V. Schließlich müssen sich Arbeitnehmer erklären, denen ein Freibetrag eingetragen wurde, etwa für hohe Werbungskosten.

Wie sieht es bei Senioren aus? Wer nennenswerte Einkünfte neben der Rente hat, etwa aus Vermietung, muss immer eine Steuererklärung abgeben. Ohne Zusatz­einkünfte ist eine Erklärung ans Finanzamt nötig, wenn die Rente höher ist als das Existenzminimum. 2016 betrug dieser steuerfreie Grundfreibetrag 8652 € im Jahr. Die gesetzliche Rente ist jedoch nur zum Teil steuerpflichtig; wie viel, hängt vom Jahr des Renteneintritts ab. War dieser 2005 und früher, fallen laut Bundesfinanzministerium erst ab 17 892 € brutto im Jahr Steuern an. Beim Rentenstart 2016 lag die Grenze schon bei 14 099 €. Dies sind die Beträge für Ledige. Für Ehepaare sind sie im Prinzip doppelt so hoch. Vorsicht bei Renten­erhöhungen: Sie zählen voll.

Wer kann freiwillig eine Steuererklärung abgeben? Im Prinzip jeder Arbeitnehmer, der nicht verpflichtet ist, sich aber eine Steuerrückzahlung erhofft.  Es lohnt sich, wenn höhere Kosten angefallen sind als die Pauschalen. Für Arbeitnehmer beispielsweise beträgt die Werbekostenpauschale 1000 € im Jahr. Abgesetzt werden können Kosten für die Fahrt zum Arbeitsplatz, für Kinderbetreuung, für haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen. Auch Gewerkschaftsbeiträge, Spenden und die Kirchensteuer können sich in Form einer Steuerrückzahlung lohnen. Daher ist es sinnvoll, übers Jahr alle Belege zu sammeln. Für die freiwillige Abgabe der Steuererklärung gibt es deutlich mehr Zeit, nämlich vier Jahre, für das Jahr 2016 bis Ende 2020.

Gibt es noch andere Möglichkeiten, die Abgabefristen zu verlängern? In aller Regel gewährt das Finanzamt problemlos zwei bis vier Monate Fristverlängerung, etwa wenn wichtige Belege noch fehlen. Ein formloser Antrag reicht. Wer einen Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein einschaltet, hat bis zum Jahresende Zeit.

Wie viel weiß das Finanzamt aus eigenen Quellen? Arbeitgeber, Renten- und andere Versicherungen sowie Krankenkassen müssen direkt an die Finanzverwaltung melden, wie hoch die Einkünfte, Abgaben und abgeführten Steuern waren. Welche Daten registriert sind, kann der Einzelne auch per Elster abrufen. Die Steuererklärung kann entweder nur mit Elster oder aber mit einer Steuersoftware angefertigt und elektronisch beim Finanzamt abgegeben werden.

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