Elektronik Siemens plant Einschnitte – 2700 Jobs betroffen

Siemens ist ein breit aufgestellter Konzern, der unter anderem auch Züge (Bild) baut.
Siemens ist ein breit aufgestellter Konzern, der unter anderem auch Züge (Bild) baut. © Foto: dpa
München / dpa 12.05.2017

Siemens-Chef Joe Kaeser lässt nicht locker. Schritt für Schritt trimmt er den Elektroriesen auf Digitalisierung und räumt in Problemsparten auf, das geht mit schmerzhaften Einschnitten einher. 2700 Jobs stehen dieses Mal auf der Kippe – und das, obwohl sich der Konzernchef nach einem guten zweiten Quartal gerade noch einen Tick optimistischer für dieses Geschäftsjahr gezeigt hatte. Arbeitnehmer halten die Maßnahme für übereilt und wollen sie nun prüfen.

Für Siemens läuft es doch gerade gut, warum also schon wieder Stellenstreichungen? Das kann man so pauschal nicht sagen, sondern muss genauer auf betroffene Sparten und das umfangreiche Maßnahmenbündel schauen. Generell gibt es in dem noch immer breit aufgestellten Konzern mit Sparten und Töchtern – von der Medizintechnik bis hin zum Kraftwerksgeschäft – immer eine Baustelle, auf der gekürzt, optimiert oder zusammengelegt wird. Dafür sorgen schon konjunkturelle Schwankungen und neue Konkurrenzverhältnisse.

Welche Hintergründe haben die Einschnitte in den einzelnen Sparten? Da ist zum einen die Unternehmens-IT, die eine Schlüsselrolle beim digitalen Wandel spielt, wie der zuständige Siemens-Vorstand Michael Sen erklärt. Die Aktivitäten sollen hier stärker konzentriert werden, auch um Kapazitäten für Datenanalyse und Cybersicherheit zu schaffen.  Außerdem bekommt Siemens teils die Investitionszurückhaltung von Kunden zu spüren, was Einschnitte im Fürther Werk der Sparte nach sich zieht. Auch die Zug­sparte muss Federn lassen: Hier leidet Siemens nach dem Zusammenschluss der beiden größten chinesischen Zughersteller zum Giganten CRRC unter massivem Wettbewerbs- und auch Kostendruck.

Hängen die Einschnitte in der Zug­sparte auch mit den Spekulationen über eine Allianz mit Bombardier zusammen? Indirekt schon, denn auch diese werden ja von der neuen Realität in der Branche angeheizt. Angeblich sollen Siemens und der kanadische Flugzeug- und Bahntechnikkonzern Bombardier über eine Zusammenlegung ihrer Zugsparten sprechen. Dem stünden aber wohl hohe kartellrechtliche Hürden entgegen. Siemens-Finanzchef Ralf Thomas hatte sich zu dem Thema bei Vorlage der Quartalszahlen in der vergangenen Woche nicht näher geäußert, zugleich aber keinen Zweifel daran gelassen, dass er mit weiterer Bewegung in der Branche rechnet.

Die Ausbildung ist auch betroffen. Muss man sich jetzt Sorgen machen, dass Siemens die Ausbildung einschränkt? Zumindest will der Konzern die Ausbildung stärker am eigenen Bedarf ausrichten. Bisher bildet Siemens nicht nur über diesem Bedarf, sondern auch für andere Unternehmen aus, hier soll künftig stärker auf die Kosten geschaut werden. Auch will Siemens Teile der Ausbildung an andere Dienstleister übertragen. In Summe könnten davon dem Vernehmen nach in den kommenden fünf Jahren rund 180 Arbeitsplätze betroffen sein und die Zahl der bisher 33 Ausbildungszentren kräftig schrumpfen.

Wie reagieren die Arbeitnehmervertreter? Die IG Metall zeigte am gestrigen Donnerstag wenig Verständnis für die Einschnitte. „Siemens verfällt in sein gewohntes Muster, auf wirkliche oder eingebildete Schwierigkeiten mit Kostensenkungen und Stellenabbau zu reagieren“, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft. Gerade angesichts hervorragender Geschäftszahlen und voller Kassen halte man die Maßnahmen für voreilig. Bislang handele es sich bei dem Maßnahmenpaket derweil nur um eine „Wunschliste“, so der Sprecher. „Bevor Verhandlungen aufgenommen oder gar Entscheidungen getroffen werden, wird die Arbeitnehmerseite erst einmal jede einzelne Maßnahme gründlich auf ihre Plausibilität und mögliche Alternativen überprüfen.“

Von Einschnitten bei Siemens ist häufig zu hören. Wie hat sich die Beschäftigtenzahl seit Kaesers Amtsantritt entwickelt? Als Kaeser den Chefposten bei Siemens im Sommer 2013 übernahm, hatte der Konzern noch rund 362 000 Beschäftigte – zuletzt waren es 351 000 Mitarbeiter. In Deutschland ist die Beschäftigtenzahl im gleichen Zeitraum relativ stabil geblieben, zuletzt lag sie bei rund 114 000. Dabei stehen Stellenstreichungen an einer Stelle regelmäßig auch Neuanstellungen in anderen Sparten gegenüber. Hinzu kommen Schwankungen durch Zu- und Verkäufe durch Unternehmensteile.

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