Chip Sicherheitslücke: Alle Apple-Geräte betroffen

Nach Intel muss auch Apple einräumen, dass die meisten seiner Produkte von der Chip-Sicherheitslücke betroffen sind.
Nach Intel muss auch Apple einräumen, dass die meisten seiner Produkte von der Chip-Sicherheitslücke betroffen sind. © Foto: dpa
Cupertino / dpa 05.01.2018
Nach Intel muss auch Apple einräumen, dass fast alle seiner Geräte von der Chip-Sicherheitslücke betroffen sind.

Von der schwerwiegenden Sicherheitslücke in Computerchips sind auch bei Apple alle Mac-Computer und Mobil-Geräte wie iPhones und iPads betroffen. Der US-Konzern schränkte zugleich in der Nacht zum Freitag ein, dass bisher keine Schadsoftware bekannt geworden sei, die Kunden ins Visier nehme.

Durch die diese Woche bekanntgeworden Sicherheitslücke in Chips diverser Hersteller können zumindest theoretisch auf breiter Front Daten abgeschöpft werden. Forscher demonstrierten, dass es möglich ist, sich Zugang zum Beispiel zu Passwörtern, Krypto-Schlüsseln oder Informationen aus Programmen zu verschaffen. Tech-Firmen sind dabei, die seit zwei Jahrzehnten bestehende Lücke so gut es geht mit Software-Aktualisierungen zu stopfen. Komplett kann man das Problem aber nur durch einen Austausch der Prozessoren beheben, weil die Schwachstelle in einem branchenweit angewendeten Verfahren liegt.

Forscher machten zwei Angriffsszenarien aus: Mit „Meltdown“ kann man Daten aus dem Betriebsystem abgreifen, mit „Spectre“ aus anderen Programmen. Apple erklärte, die Gefahr durch „Meltdown“ sei bereits mit den jüngsten Versionen der Betriebssysteme für iPhones, iPads, Macs und Apple-TV-Fernsehboxen zumindest „abgemildert“ worden. Die Computeruhr Apple Watch sei von „Meltdown“ nicht betroffen. In den kommenden Tagen wolle Apple auch Maßnahmen gegen „Spectre“ für seinen Webbrowser Safari veröffentlichen. Die „Spectre“-Attacke könne mit Hilfe von JavaScript im Webbrowser ausgelöst werden.

Die Sicherheitslücke wurde zu einem Zeitpunkt bekannt, da zuletzt in Deutschland viel über IT-Sicherheit und Nutzerdaten beziehungsweise den Schutz der Nutzer diskutiert wurde, etwa darüber, inwiefern Smartphone-Apps Nutzer „abhören“.

Derweil haben Intel und seine Softwarepartner, bei denen das Problem zuerst bekannt wurde, nach eigenen Angaben deutliche Fortschritte bei ihren Bemühungen gemacht, die massive Sicherheitslücke in Computerchips zu stopfen. Das Unternehmen habe inzwischen Updates für alle Intel-basierten Systeme entwickelt, die vor den beiden Angriffsszenarien „Meltdown“ und „Spectre“ schützen, teilte Intel mit. In der Nacht zum Freitag erklärte Amazon zudem, dass alle Bereiche seiner virtuellen Server (EC2), die auf Linux oder Windows laufen, inzwischen geschützt seien. In den meisten Fällen seien auch keine Performance-Einbußen zu verzeichnen gewesen.

Auch Microsoft und Google hätten bestätigt, dass die eingespielten Updates für die überwiegende Mehrzahl der Nutzer und Kunden kaum oder gar nicht bemerkbar seien dürften. Ursprünglich war vermutet worden, dass Systeme bis zu 30 Prozent langsamer werden könnten. Intel war zuletzt davon ausgegangen, dass die Performance-Einbußen höchstens zwei Prozent betragen würden.

Für einen Großteil seiner Prozessoren, die in den vergangenen fünf Jahren ausgeliefert wurden, seien Updates bereits veröffentlicht worden, teilte Intel mit. Bis Ende kommender Woche sollen dann mehr als 90 Prozent dieser Chips sicher sein. Die von Sicherheitsforschern bereits letzten Sommer entdeckte Lücke steckt direkt im Design der Hardware. Sie besteht darin, dass Betriebssysteme für eine beschleunigte Arbeit der Programme vorab Informationen aus dem Kern des Chips beziehen. Über den gleichen Weg könnten aber auch Angreifer auf die im Chip gespeicherten sensible Daten wie etwa alle genutzten Passwörter zugreifen, ohne Spuren zu hinterlassen. Nach Ansicht von IT-Sicherheitsexperten lässt sich zumindest die „Spectre“-Lücke nur durch einen Austausch der Prozessoren komplett schließen.

Lesen Sie hier den Kommentar unseres Redakteurs Steffen Wolff.

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