Kommentar André Bochow zum geplanten Textilsiegel Schmutzige Wäsche

NBR Berlin. Copyright: Thomas Koehler/ photothek.net Berliner Redaktion, Kommentarfotos
NBR Berlin. Copyright: Thomas Koehler/ photothek.net Berliner Redaktion, Kommentarfotos © Foto: Thomas Koehler/photothek.net Tho
Berlin / André Bochow 18.05.2018

Vor fünf Jahren starben mehr als 1100 Menschen in Bangladesch, als sie von ihrer zusammenstürzenden Textilfabrik begraben wurden. Für kurze Zeit  hatten daraufhin die Produzenten unserer Bekleidung auch hierzulande einige Aufmerksamkeit. Die Toten und die niedrigen Preise für unsere Hemden, T-Shirts, Jeans – plötzlich erkannten viele die Zusammenhänge.

Aber sie wurden schnell wieder vergessen. Der Entwicklungsminister trommelte ein Textilbündnis zusammen, für das sich die Öffentlichkeit wenig interessiert. So bleibt verborgen, dass die beteiligten Firmen erst einmal nur Absichtserklärungen abgegeben haben. Manche setzen die guten Absichten um, manche nicht.

Das wird  auch der „Grüne Knopf“ nicht ändern – eine Idee des Ministers Gerd Müller, die vor allem an Marketing in eigener Sache und wenig an verbesserte Produktionsbedingungen erinnert. Dabei ist nicht zu leugnen, dass das Problembewusstsein in der deutschen Textilindustrie gewachsen ist. Nur wir Verbraucher ziehen  kaum mit.

Wer kauft schon ein Hemd mit Öko-und Sozialsiegel, wenn es teurer ist als eines, das unter schmutzigen Bedingungen hergestellt wurde?  Schließlich sieht man der Ware ja nicht an, wie viel Kinderarbeit drin steckt, ob Gewerkschafter sterben mussten und wen die Arbeit zum Krüppel gemacht hat. Aber wir wissen, dass es das gibt. Deshalb sollten wir beim Kaufen nicht Gefühl und Verstand abschalten.

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