Thomas Paulini seufzt. Gerade erst hatte er eine junge Frau am Telefon. Eine Mutter, zwei Kinder bei sich – und die Tür war ins Schloss gefallen. Der Schlüssel, wie kann es anders sein, lag in der Wohnung. Immerhin war Werktag und es war noch nicht so spät – 17 Uhr. Sie rief den Schlüsseldienst, der öffnete ihr die Tür – und verlangte 500 € Sofortzahlung. Thomas Paulini ist Fach- und Rechtsberater für Bauen, Wohnen und Energie bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Fälle wie diese werden ihm immer und immer wieder geschildert. Paulini regt sich auch immer noch auf über dieses Vorgehen.

„Wenn eine Tür nur zufällt, kann man sie normalerweise öffnen, ohne das Schloss zu zerstören“, sagt er. Der Schlüsseldienst im Fall der Mutter aber tat genau das. Er brach die Tür auf, baute gleich ein neues Schloss ein und verlangte dann viel Geld. „Der hat gesehen, da ist eine hilflose Frau mit quengelnden Kindern, da hat er nicht lange gefackelt“, ist sich Paulini sicher.

Das grundsätzliche Problem: „Wenn man direkt bezahlt, ist das Geld im Normalfall weg.“ Denn häufig stünden auf den Quittungen Fantasienamen. „Wenn die Leute dann Ansprüche erheben und ihr Geld zurück wollen, merken sie, dass die Firma gar nicht existiert.“ Und ja, da entstehe dann der Verdacht auf gewerbsmäßigen Betrug. Er empfiehlt den Betroffenen, sich immer an die Polizei zu wenden. Sich mit diesem Problem dort Gehör zu verschaffen, ist nach seinen Erfahrungen gar nicht so einfach. Da werde schnell auf den zivilrechtlichen Anspruch verwiesen.

Paulini klingt fast schon resigniert: „Reinfallen tun alle, die Oma mit 80, der junge Student und der gestandene Familienvater.“ Mit Reinfallen meint er, dass die Betroffenen in dieser belastenden Situation meist sofort bezahlen. „Sie schaffen es einfach nicht, Nein zu sagen und zu verlangen, das auf Rechnung zu bezahlen.“ Das liege auch am Druck, den unseriöse Firmen ausübten. „Die machen auf Rechnung gar nichts, die hauen ab, wenn sich jemand weigert und lassen die Tür einfach zu“, erzählt er. Hat der Mann vom Schlüsseldienst die Tür schon geöffnet, droht er, sie wieder zufallen zu lassen. Nachts kämen auch gerne mal zwei breitschultrige Männer, schwarz angezogen, im Privatauto. „Die bauen eine Drohkulisse auf.“ Diese „extreme Ausnutzung einer Zwangslage“ sei verwerflich.

Welchen Preis hält der Verbraucherschützer denn für angemessen? Paulini geht von Pauschalen für eine normale Handwerkerleistung aus. „Da sind wir bei einem Stundensatz von 50 bis 60 € brutto“, erklärt er. Dazu noch die Anfahrt und im schlimmsten Fall die Kosten für ein neues Schloss, das aber nicht oft benötigt werde. Weit entfernt von 500 € . „Ein gutes ortsansässiges Unternehmen macht Ihnen tagsüber die Tür für 40 bis 60 € auf, wenn es keine lange Anfahrt hat“, sagt er. Nachts und an Sonn- und Feiertagen ist ein Aufschlag von 100 Prozent durchaus üblich, sagt er. Wenn der Verband deutscher Schlüsseldienste im Internet von einer grundsätzlichen Pauschale von 189 € ausgeht – tagsüber unter der Woche, dazu kommen noch saftige Zuschläge, hält Paulini das für nicht seriös.

Der Bundesverband Metall, in dem auch Handwerker organisiert sind, die Türöffnungen anbieten, geht dagegen in einer Übersicht von 2011 von einer Pauschale von 84 € aus. Dort hält man die Preise für Schlüsseldienst für ein „leidiges Thema“, weil Verbraucher und Verbraucherschützer anscheinend immer wieder anfragen, wie sie gegen überteuerte Rechnungen für Nottüröffnungen vorgehen können. „Tatsächlich kann eine Notöffnung je nach Ausführung von Tür und Schloss durchaus auch sehr aufwändig sein, wenn sie sachgemäß ausgeführt wird“, so die Meinung unserer Schlossprofis im Bundesverband“, sagt Karlheinz Efkemann, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit. Auch er rät, schon vor dem Notfall einen Schlüsseldienst „des Vertrauens“ in der Nähe zu suchen.

Die Verbraucherzentrale Brandenburg hat vor zwei Jahren im Rahmen eines Marktchecks genauer geprüft, wieviel Schlüsseldienste verlangen. Sie schrieb über 120 regionale Unternehmen an. Eine Vielzahl von ihnen ist aber per Post überhaupt nicht zu erreichen. „Viele der Schlüsseldienste, die wir nicht erreichen konnten, beginnen mit A und stehen somit in Telefonbüchern oder Suchverzeichnissen weit oben“, sagte Sabine Fischer-Volk, Juristin bei der Verbraucherzentrale Brandenburg, dazu.

„Hier können wir begründet davon ausgehen, dass diese nicht ortsansässig sind und häufig über Callcenter oder Rufnummernumleitungen nach Aufträgen fischen. Diese Unternehmen rechnen zu Ungunsten der Verbraucher häufig hohe Fahrtkosten ab.“  Gerade einmal 17 Prozent der angefragten Firmen gaben Auskunft über den Preis für eine schlichte Türöffnung, der variierte zwischen 25 und 60 € .

Paulini rät deshalb, bei der Auswahl des Schlüsseldienstes genau aufzupassen – und besser nicht im Internet, sondern klassisch in den Gelben Seiten nach kleinen, ortsansässigen Unternehmen zu suchen. Dann ist die Chance größer, dass der große Preisschock nach der Türöffnung ausbleibt.

Tipps zum richtigen Umgang mit den Branchenvertretern

Genau prüfen Die in Zeitungen oder Telefonbüchern angegebene Telefonnummer des Schlüsseldienstes sollte man genau prüfen. Es gibt Anzeigen, bei denen die lokale Nummer groß gedruckt und nur mit einer kleinen Fußnote darauf hingewiesen wird, dass der Anruf weitergeleitet wird. Lokale Unternehmen sind generell zu bevorzugen. Im Internet werben laut Verbraucherschützern häufig unseriöse Anbieter besonders auffällig. Da ist Vorsicht geboten. Bevor Verbraucher einen Schlüsselnotdienst tatsächlich beauftragen, sollten sie sich am Telefon nach Anfahrtskosten, Stundenlohn und Sonderzuschlägen erkundigen. Die Kosten für den Schlüsselnotdienst sollten nach Möglichkeit nicht sofort bezahlt werden. Da Mitarbeiter eines Schlüsseldienstes in der Regel aber eine sofortige Barzahlung verlangen, sollten Verbraucher vor Ort besser nur einen Teilbetrag bezahlen.  

In der Regel kann eine nicht abgeschlossene, nur zugezogene Tür von einem Fachmann leicht geöffnet werden. Will der beauftragte Schlüsseldienst sofort die Tür aufbrechen oder das Schloss ausbauen, sollte man dies ablehnen. Um sich für kurzfristige Notfälle vorzubereiten, sollten Verbraucher sich schon vorab nach einem lokalen Anbieter und dessen Preisen erkundigen.

Müssen Betroffene nicht aus dringenden Gründen in die Wohnung zurück und kann ein Ersatzschlüssel am nächsten Tag bei Bekannten oder Nachbarn abgeholt werden, ist eine Übernachtung im Hotel manchmal durchaus billiger als der Schlüsseldienst.

Grundsätzlich gilt: Verbraucher sollten sich von Mitarbeitern des Schlüsseldienstes nicht unter Druck setzen lassen. Die Verbraucher haben das Hausrecht und können zur Not die Polizei rufen, um die Lage zu klären. Wenigstens näherungsweise Zahlen für Leistungen und Preise hat der Bundesverband Metall letztmals im Jahr 2011 herausgegeben: www.metallhandwerk.de/schliess-und-sicherungstechnik/schlossprofi/