Kommentar Alexander Bögelein zur Situation von Thyssenkrupp Schlechtes Zeichen

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Autorenfoto © Foto: Könneke Volkmar
Alexander Bögelein 07.07.2018

Es kommt sehr selten vor, dass die IG Metall einem Vorstandschef nachtrauert, der zurücktritt. Schon gar nicht, wenn sie mit ihm zwei Jahre hart über Stellenbau verhandelt hat: „Auch wenn wir in der Sache oft unterschiedlicher Meinung waren – Herr Hiesinger ist ein integrer Mensch. Davon gibt es in den Führungsetagen nicht mehr so viele“, lautet das Urteil der Gewerkschaft über den Ex-Thyssenkrupp-Chef. Sie sieht zurecht unsichere Zeiten für die Mitarbeiter aufziehen.

Der Rücktritt von Heinrich Hiesinger ist ein denkbar schlechtes Zeichen – und nur auf den ersten Blick überraschend. Auf den zweiten Blick hatte der 58-Jährige keine andere Wahl, zu tief ist der Riss zwischen Vorstand und Großaktionären. Der zweitgrößte Anteilseigner, der schwedische Investmentfonds Cevians, drängt schon lange auf die Zerschlagung des Konzerns, um Kasse zu machen. Zuletzt machten der für sein rüdes Auftreten bekannte US-Investor Paul Singer und dessen Hedgefonds Elliott Druck. Auch vom größten Anteilseigner, der Krupp-Stiftung, kam keine Unterstützung. Keine Rolle spielt, dass ohne Hiesinger der Tata-Deal nicht gelungen wäre. Auch seine Verdienste, den maroden Konzern wieder profitabel zu machen, sind heute nichts mehr wert. An der Börse steigt der Kurs der Aktie. Die Anleger wittern bereits den Verkauf einzelner Sparten.

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