Berlin Scharf auf Kupferkabel

Kupfer ist ein begehrter Rohstoff, das macht den Kabeldiebstahl attraktiv. Foto: Fotolia
Kupfer ist ein begehrter Rohstoff, das macht den Kabeldiebstahl attraktiv. Foto: Fotolia
Berlin / DPA/AFP 11.07.2012
Bahnkunden warten stundenlang auf ihren Zug, Telekomnutzer haben keine Internet- oder Telefonverbindung. Metalldiebe verursachen große Schäden an Gleisen und Leitungen und nerven Verbraucher.

. Gut acht Stunden war die Bahnstrecke Hannover-Hamburg Ende Juni durch Metalldiebe lahmgelegt. Auf rund zwei Kilometer Länge waren 80 Erdungskabel von Strommasten und Signalanlagen herausgerissen worden. Metalldiebstahl macht dem Bahnkonzern weiter schwer zu schaffen. Allein im vergangenen Jahr waren davon 11 000 Züge betroffen, 150 000 Verspätungsminuten kamen zusammen.

Doch nicht nur die Bahn, auch Telekommunikations-Unternehmen und Energieversorger verzeichnen enorme Schäden - auch für ihr Image. Jetzt wollen sie gemeinsam gegen den Metallklau vorgehen. Überwacht werden die Anlagen schon länger. Auch mit künstlicher DNA-Markierung, Wärmebildkameras und Hubschraubern wird nach den Dieben gefahndet.

Auf 20 Mio. EUR wird der Schaden durch Metalldiebstahl von Bahn, RWE und der Telekom für 2011 beziffert und damit doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Allein bei der Bahn waren es rund 15 Mio. EUR. Bei der Telekom belief sich der reine Sachschaden hingegen nur auf etwa 820 000 EUR. "Hinzu kommen aber die Reparatur- und Ausfallzeiten", sagt Sprecher Philipp Blank. Außerdem sei es für die Kunden sehr ärgerlich, wenn stundenlang ihre Telefon- und Internetverbindung gestört ist.

Mit allein 34 000 Kilometern Schienenstrecke ist die Bahn ein "riesiges Tatgebiet". Nach Angaben der Bundespolizei werden hier vor allem Kabel der Oberleitungen gestohlen. Diebe ließen aber auch schon mal ganze Lokomotiven oder Waggons mitgehen. Mehr als 5000 Fälle seien im vergangenen Jahr registriert worden, doppelt so viel wie ein Jahr zuvor.

Deutsche Großkonzerne wollen sich gemeinsam gegen Metalldiebe zur Wehr setzen. Die Deutsche Bahn, die Deutsche Telekom und der Energieerzeuger RWE gingen gestern in Berlin eine entsprechende Sicherheitspartnerschaft ein. Auch der Verband Deutscher Metallhändler ist demnach an dem Projekt beteiligt. Kern der Zusammenarbeit werde ein elektronisches Frühwarnsystem sein. Damit wollen sich die Mitglieder der Allianz gegenseitig über Metalldiebstähle informieren und so den Verkauf von Diebesgut über Metallhändler erschweren.

Die Unternehmen wollen ihre Partnerschaft weiter ausbauen, teilte die Allianz mit. Hierzu suchten sie nach Partnern in der Wissenschaft, um ihre "sensible Infrastruktur noch besser zu schützen." Die Bahn setzt schon länger künstliche DNA im Kampf gegen die Diebe ein und vermeldet auch erste Erfolge. Seit vergangenen Sommer lässt sie damit Gleise und Kabel markieren. Die Kennzeichnung unter der Isolierung ist nicht erkennbar, kann aber mit UV-Licht sichtbar gemacht werden. Ein Code verrät, wo das Material gestohlen wurde. Auf diese Weise sollen Diebesgut und Täter leichter identifiziert werden. Bisher wurde die Substanz vor allem in Ost- und Norddeutschland sowie in Nordrhein-Westfalen eingesetzt, wo Metalldiebe besonders oft zuschlagen.

Im ersten Quartal 2012 seien die Diebstähle bereits um ein Viertel zurückgegangen, heißt es. Auch die Metallhändler haben schon viel in den Schutz ihrer Waren und Anlagen investiert. "Die meisten Werksgelände gleichen mittlerweile Hochsicherheitstrakten", betont Verbandsgeschäftsführer Ralf Schmitz. In Wachdienste, Videoanlagen und neue Einzäunung investiere ein mittleres Recyclingunternehmen schon mal 100 000 EUR.

Ursache für den weiter steigenden Rohstoffklau seien die in den vergangenen Jahren exorbitant gestiegenen Metallpreise. Schmitz regt im Kampf gegen die Diebe auch eine neue Webseite im Internet an, auf der alle neuen Fälle registriert werden. "Dann könnte jeder Metallhändler gleich kontrollieren, ob es sich bei der ihm angelieferten Ware um gestohlene handelt."

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