München / Patrick Guyton Immer noch gibt es viele hygienische Missstände in Großbäckereien.  Die Organisation Foodwatch verlangt Information der Verbraucher und spricht von einem „permanenten Skandal“.

An den ekelerregenden hygienischen Zuständen in einem Teil der bayerischen Großbäckereien hat sich seit Jahren nichts geändert. Das ist das Fazit der Studie „Bayerisches Brot“, die die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch gestern in München vorgestellt hat.

Die Politik und die Kontrollbehörden würden zusehen, „wie die Schaben in den Backstuben Schuhplattler tanzen“, meint Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker. Neben den einzelnen Bäckereibetrieben lastet er der Politik ein Versagen an. Denn die Kunden und Verbraucher werden über Ekelfunde in der Regel nicht informiert.

„Schaben tanzen Schuhplattler“

Die von der Organisation nun veröffentlichten Kontrollberichte lesen sich wie eine Ansammlung von hygienischen Schweinereien. Bei der Bäckerei Bachmeier aus Niederbayern etwa wurden 2015 am „Feinen Weihnachtsgebäck“ Fraßspuren als auch Mäusekot entdeckt. In einem Brot war eine „Deutsche Schabe“ eingebacken. Schwarzschimmel befand sich in einem Raum sowie Kondenswasser, das von oben auf Kuchen tropfte. Bachmeier hat mehr als 100 Filialen und 500 Handelspartner bis nach Österreich.

Bei „Der Beck“ aus Erlangen wurden vor drei Jahren „Kotpillen eines Kleinsäuger“ in einer Brotrinde gefunden, zwei Jahre darauf ein mit Metallspänen verunreinigte Zimtkuchen sowie eine an der Unterseite verschimmelte Nusstasche. Bei der Großbäckerei Ihle aus Friedberg bei Augsburg wiederum wurde teils „massiver“ Käfer- und Schabenbefall sowie Mäusekot entdeckt. In einem „Gourmet Brot“ war ein 20 Zentimeter langer Plastikstreifen eingebacken.

Insgesamt hat Foodwatch Informationen zu 69 Kontrollen bei acht bayerischen Großbäckern erhalten. Das war ein „sehr langwieriges“ Verfahren, sagt Martin Rücker. Bei ihren Anträgen beim Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit beriefen sich die Verbraucherschützer auf das Verbraucher-Informationsgesetz.

Foodwatch hat sich den Freistaat Bayern als Untersuchungsgebiet herausgesucht, weil sich dort vor fünf Jahren der Skandal um die Großbäckerei Müller-Brot ereignet hatte. In diesem Betrieb gab es in riesigem Ausmaß Verunreinigungen und Ekel-Zustände, bald ging die Firma pleite.

Dass in vielen Bäckereien sauber gearbeitet wird, stellt die Organisation nicht in Abrede. In anderen Bundesländern dürfte die Situation kaum anders sein. Für den Freistaat und die Staatsregierung ist die erneute Fokussierung auf Bayern aber bitter, denn ein Lebensmittelskandal reiht sich an den anderen: Auf Müller-Brot folgten Salmonellen bei Bayern-Ei, auch der Listerien-Skandal bei der danach geschlossenen Großmetzgerei Sieber sorgte bundesweit für Aufsehen. Die Verbraucherschutzministerin Ulrike Scharf gab dabei häufig eine unglückliche Figur ab.

Foodwatch-Mitarbeiter Johannes Heeg klagt jetzt über die Brot-Angelegenheit: „Die Kontrolleure sind über Jahre hinweg auf ekelerregende Zustände gestoßen.“ Rücker spricht von einem „permanenten Skandal“. Gesundheitsschädliche Lebensmittel werden von den Behörden laut Gesetz gemeldet. Ist es nur unhygienisch, dann reicht das nicht. „Gut durchgebackener Mäusekot stellt keine Gesundheitsgefahr dar“, meint Heeg.

Ekelzustände veröffentlichen

Auf Bundesebene war nach dem Müller-Skandal das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB) ergänzt worden, wonach auch Ekelzustände veröffentlicht werden dürfen. Der Text ist aber nach Ansicht von Foodwatch so unpräzise formuliert, dass Betroffene mit Klagen dagegen gute Chancen haben. Nun liegt das Gesetz beim Bundesverfassungsgericht zur Prüfung.

Die Organisation fordert nun auf Bundesebene eine neue und klare Gesetzespassage. Auch ruft Foodwatch die einzelnen Bundesländer auf, eigene „Transparenzgesetze“ zu erlassen. Im bayerischen Verbraucherschutzministerium sagt man dazu auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE, dass eine eigene Gesetzgebung jetzt wenig Sinn mache. Man wolle erst die Entscheidung des Verfassungsgerichts abwarten.

Was der Kunde tun kann

Was aber kann der Kunde tun, wenn er wissen möchte, wie es in der Backstube und in den weiteren Räumen seiner Bäckerei zugeht? Der Foodwatch-Chef Martin Rücker hat dazu diesen Ratschlag: „Man sollte einfach nachfragen, ob man die Kontrollberichte lesen darf.“ Für einen Betrieb, in dem alles sauber und ordnungsgemäß zugeht, wäre das sogar eine Werbung. Zumindest die betroffene Bäckerei Ihle stellt sich nun ganz auf die Seite der Verbraucherschützer. Das Unternehmen teilt mit: „Jede Maßnahme der Politik zur Reform der Lebensmittelkontrollen würden wir begrüßen.“ pat