Kommentar Thomas Veitinger zur Lage der Autoindustrie Rundumerneuerung ist nötig

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Ulm / Thomas Veitinger 04.07.2018

Das waren noch Zeiten. Vor einigen Jahren standen Zukunftstechnologien im Mittelpunkt der Autoindustrie: Autonomes Fahren, Batterieantrieb, Mobilitätskonzepte. Eine wirtschaftliche Euphorie riss die Branche in ungeahnte Höhen, alles schien möglich, der Blick war nach vorne gerichtet, der Absatz brummte. Dann kam der Diesel-Skandal – und heute beschäftigen sich die Hersteller vor allem mit sich selbst. Dies muss sich dringend ändern.

Das verlorene Vertrauen nach den Betrügereien wiederzugewinnen, wäre an sich schon eine gigantische Aufgabe. Aber es sind weitere entstanden. Der Dieselabsatz liegt am Boden, Fahrverbote sind da. Die Zertifizierung nach dem neuen Abgasstandard WLTP ist anspruchsvoll. Rückrufe und Klagen drohen.

Ja, es scheint sogar eine Götterdämmerung der Auto-Bosse anzubrechen. Audi-Chef Rupert Stadler sitzt im Gefängnis, andere Vorsitzende müssen zittern. Vor nicht allzu langer Zeit wäre das geradezu eine surreale Vorstellung gewesen.

Von daher ist es kein gutes Zeichen, wenn der neue Automobilverbandspräsident Bernhard Mattes an bisherigen VDA-Verhaltensmustern festhält. Denn das nächste Problem ist gefährlich nahe: US-Importzoll. Wenn die Absatz- und Umsatz-Zahlen schlecht werden, ist eine Antwort auf die technologischen Fragen der Zukunft schwierig. Die Branche braucht eine Rundumerneuerung, die der VDA nicht sieht.

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