Berlin Ruhigere Tarifrunde der Lokführer Diesmal könnte "alles ganz einfach" sein

DPA 12.07.2012
Die Lokführer-Tarifrunde hat begonnen. Die Gewerkschaft lehnt ein Bahn-Angebot ab. Dennoch könnte der Tarifkonflikt glimpflich ablaufen.

Zum Auftakt der Tarifrunde für 21 500 Lokführer hat die Deutsche Bahn gestern ein Angebot vorgelegt. Die Entgelte sollen zunächst zum 1. Juli um 2,5 Prozent steigen, weitere 2 Prozent soll es im Oktober 2013 geben. Bei einer Erhöhung der Altersvorsorge ergebe sich ein Gesamtpaket von 5,5 Prozent über zwei Jahre, rechnete Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber vor.

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer wies das Angebot als "völlig unzureichend" zurück. Sie hatte ein Einkommensplus von 7 Prozent bei einer Laufzeit von einem Jahr gefordert.

Dennoch könnte es diesmal "ganz einfach sein", sagt der Chef der Lokführer-Gewerkschaft Claus Weselsky. "Wir reden ja nur über Prozente." Auch Bahn-Vorstand Ulrich Weber gibt sich zum Auftakt betont friedlich: Nach den zermürbenden Auseinandersetzungen der vergangenen Jahre sei auf beiden Seiten "der Wille zu einem konfliktfreien, zügigen Verfahren" zu erkennen. Die Ankündigung der Bahn, das Angebot noch einmal zu verbessern, verhinderte eine Eskalation.

Eine neue Tarifrunde für die Lokführer - das weckt Erinnerungen an endlose Streikwellen, zermürbende Marathonverhandlungen, gescheiterte Schlichtungen, frustrierte Reisende. Stillstand auf der Schiene, so hieß es zuletzt jedes Mal. Der Konflikt mit der Deutschen Bahn 2007 dauerte fast ein Jahr. 2010 stand auch bei privaten Bahn-Konkurrenten alles still.

"In den letzten Runden hatten wir sehr komplexe Forderungen", erläutert der Gewerkschafts-Chef. In einem fast ein Jahr dauernden Krimi hatten die Lokführer 2007/08 eine eigenständige Verhandlungsmacht erkämpft. In der folgenden Runde 2010/11 wurde mehr als neun Monate lang um einen Rahmentarifvertrag gestritten, also einheitliche Einkommen für alle Lokführer bei Deutscher Bahn und regionalen Bahnen.

Weselsky will keine Streiks. Doch der Gewerkschafts-Chef sagt auch: "Jeder weiß, dass wir die entsprechende Macht haben.

Am 23. Juli wollen beide Seiten an den Verhandlungstisch zurückkehren. Monatelang soll es diesmal nicht dauern, haben sie sich vorgenommen. Eigentlich, so hatte Weselsky nach dem Abschluss im vergangenen Jahr gesagt, "könnte man diese Runde auch am Telefon austragen". Gestern will er diesen Satz nicht wiederholen.