Aktien Risikoscheuer, aber nicht weniger erfolgreich

Frankfurt / Rolf Obertreis 18.05.2018

Frauen gehen bei der Geldanlage weniger Risiken ein und setzen seltener auf Aktien als Männer. Aber wenn sie Wertpapiere kaufen oder an der Börse aktiv sind, sind sie nicht weniger erfolgreich als das männliche Geschlecht.

Das sind die wichtigsten Ergebnisse der Studie „Frauen als Anleger – Sparen Frauen anders als Männer?“, die die ING-Diba und das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Donnerstag in Frankfurt vorstellten.

Basierend auf Daten der Bundesbank und auf dem Kundenverhalten bei der Direktbank kommen die Banker und die Forscher zum Schluss, dass drei Viertel aller Frauen nicht bereit sind, bei der Geldanlage Risiken einzugehen. Bei den Männern sind es nur 63 Prozent.

Nur 1 Prozent der Frauen bekennen sich dazu, auch mal zu zocken, um am Kapitalmarkt mehr verdienen zu können. Ein Viertel spricht davon, durchschnittliche Risiken hinzunehmen, weiß aber, dass dann auch der Ertrag meist nur durchschnittlich ausfällt. Generell zeigt sich, so ZEW-Forscher Martin Weber, dass Frauen aufgrund dieser Grundannahmen am Kapitalmarkt weniger aktiv sind als Männer.

„Wenn Frauen in Wertpapiere investieren, dann mit einem Anteil von 74 Prozent am liebsten in Fonds“, sagt Weber. 45 Prozent kaufen auch Aktien, 20 Prozent festverzinsliche Wertpapiere. Zwar ist bei Männern die Reihenfolge gleich, allerdings setzen 57 Prozent auf Aktien.

Diese Erkenntnisse decken sich mit der Analyse des Kundenverhaltens bei der ING-Diba, sagt Martin Schmidberger, Generalbevollmächtigter der Bank. Interessant auch die Präferenzen: Wenn es um Aktien geht, bevorzugen Frauen wie Männer die Papiere von BASF, Allianz und Daimler. Aktien von Apple, Amazon oder Facebook stehen dagegen bei Männern deutlich höher im Kurs. „Bei Technik-Titeln sind Frauen eindeutig zurückhaltender“, sagt Schmidberger.

Generell führen Frauen bei der ING-Diba seltener ein Wertpapierdepot als Männer. Und wenn sie sich dafür entscheiden ist das Portfolio in allen Größenklassen kleiner als das von Männern. Während Frauen im Schnitt sechs Mal im Jahr Wertpapiere kaufen oder verkaufen, ist das Männern im Schnitt elf mal der Fall.

Aus der geringeren Risikobereitschaft, der größeren Zurückhaltung bei Aktien und den geringeren Volumina in den Depots, lässt sich laut Studie aber nicht schließen, dass Frauen schlechter oder besser abschneiden. Der Anlageerfolg – Fachleute sprechen von der Performance – verteilt sich zwischen den Geschlechtern offenbar gleich.

Er hängt mehr davon ab, welche Art von Strategie im jeweiligen Jahr an der Börse erfolgreich ist. 2017 lief es an der Börse gut, da hat die risikoreichere Anlagestrategie der Männer größere Erträge gebracht. Im laufenden, schwierigeren Börsenjahr mit größeren Schwankungen sind die Verluste von Frauen geringer. „Es gibt somit nicht die bessere oder schlechtere Strategie von Männern und Frauen, wenn es um die Börse geht“, sagt Schmidberger.

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