Handel Kommentar zu Amazon: Richtiger Zeitpunkt

Thomas Veitinger.
Thomas Veitinger. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Thomas Veitinger 23.01.2018
Amazon wird mit seinem Laden ohne Kassen Erfolg haben. Die deutschen Händler sind in der Defensive.

Irgendwann, nachdem auf den Boden der Ketchup-Flasche geklopft wird, kommt die rote Flüssigkeit in aller Regel heraus – es ist nur nicht klar, wann und wieviel. Diesmal soll aber nicht von Elektro-Autos die Rede sein, die Daimler-Entwicklungschef Ola Källenius mit dem viel zitierten Vergleich meinte. Auch beim Online-Umsatz mit Lebensmitteln wird eines Tages – um im Bild zu bleiben – das Ketchup aus der Flasche schießen.

Derzeit allerdings sind sowohl der Marktanteil von E-Autos als auch via Internet gekaufte Lebensmittel nur Kleckse im Vergleich zum traditionellen Milliarden-Geschäft. Doch zumindest die Amazon-Vision, in einen Laden zu gehen, sich Produkte aus dem Regal zu nehmen und ohne herkömmlichen Zahlvorgang das Gebäude wieder zu verlassen, ist nun Wirklichkeit geworden. Trotz der gigantischen Datenspur, die Käufer hinter sich herziehen. Vieles spricht dafür, dass sich das Einkaufen verändert. Dazu gehören Online-Order genauso wie Läden ohne Kasse.

Dass sich deutsche Händler zurückhalten, ist einerseits verständlich. Wer verbrennt schon gerne Geld? Aber Amazon wird stärker, größer und besser. Der Konzern hat weltweit die höchsten Forschungsausgaben. Wer den Zeitpunkt zum Aufsprung auf Technologien verpasst kann noch so häufig auf Ketchup-Flaschen klopfen – es ist nichts mehr drin.