Haushaltsgeräte Reparieren oder weg damit: Lohnt sich Instandsetzung?

Kostenlose Reparatur eines Bügeleisens  im Repair Café in Hannover.
Kostenlose Reparatur eines Bügeleisens  im Repair Café in Hannover. © Foto: dpa
Ulm / Caroline Strang 11.05.2017

Die Waschmaschine eiert. Im Schleudergang gibt sie keuchende Laute von sich, dreht viel zu langsam und läuft einfach nicht mehr rund. Die Wäsche kommt patschnass aus der Trommel. Das Gerät ist inzwischen schon 18 Jahre alt, da darf es auch keuchen und schnaufen. Aber funktionieren sollte es trotzdem noch. Nach dem letzten Schleudergang riecht es auch noch nach verbranntem Kabel. Es wird Zeit für eine Neuanschaffung. Oder doch nicht?

Stiftung Warentest ist jüngst der Frage nachgegangen, bei welchen Geräten sich eine Reparatur am ehesten lohnt. Eine pauschale Antwort allerdings ist schwierig. Denn es kommt darauf an, was dem Verbraucher wichtig ist – Geld oder doch eher die Umwelt. Finanziell, so das Fazit der Tester, lohnt es sich kaum, eine Waschmaschine mit einem Defekt zu reparieren: „Wer immer gleich beim ersten ernsten Defekt eine neue kauft, zahlt am Ende nur wenig mehr als derjenige, der sie immer reparieren lässt.“

Für die Umwelt sei diese ­Strategie allerdings eine Katastrophe. Denn die Herstellung schlage ökologisch viel stärker ins Kontor als die Instandsetzung. Das gelte auch für Kaffeeauto­maten, die im Schnitt bereits nach fünf Jahren kaputt gehen. Davon werden laut Testern mehr als
80 Prozent noch repariert. Bei Staubsaugern allerdings lohne sich die Reparatur nur selten.

Diese Einschätzung teilt Dominik Blacha vom Repair Café Stuttgart nicht unbedingt. „Die Stiftung Warentest stellt bei ihren Tests sehr die Wirtschaftlichkeit für den Verbraucher in den Vordergrund. Tatsächlich wird allerdings bei der Produktion der Geräte am meisten Energie und Ressourcen verbraucht.“

Dass der Neukauf eines Geräts manchmal günstiger sei als die Reparatur, liege daran, dass die Elektrogeräte in Ländern produziert und entsorgt werden, die weniger strenge Umweltauflagen haben. „Würde man die Kosten für Naturschutz, Arbeitssicherheit und sichere Entsorgung einkalkulieren, wäre eine Reparatur sicherlich wirtschaftlicher.“

Grundsätzlich hält Blacha es immer für sinnvoll zu versuchen, ein kaputtes Gerät zu reparieren. „Denn: Was hat man zu verlieren? Der Gegenstand ist ja sowieso unbrauchbar, also kann man nicht viel mehr kaputt machen.“ Er ­findet generell, dass die Schwierigkeit einer Instandsetzung nicht unbedingt von der Art des Geräts abhängt, sondern eher vom ­Defekt.

Blacha sagt: „Ein Kabelbruch lässt sich immer leicht herausfinden und beheben, verdreckte Kontakte lassen sich leicht reinigen. Ein durchgebrannter Kondensator oder ein Kurzschluss auf einer Platine sind da schon aufwändiger.“ Ein wirklich kaputtes Gerät sei wohl am ehesten ein Gerät, das seit über zehn Jahren im Keller liegt und von dem der Besitzer nicht mehr weiß, wie es kaputt gegangen ist.

Viele Menschen helfen sich ­inzwischen selbst. Im Internet gibt es Portale mit Tipps und ­Videos zu vielen möglichen ­Defekten und den entsprechenden Reparaturen, und in so gut wie allen mittelgroßen oder großen Städten wurden Repair Cafés gegründet. Die helfen unentgeltlich.

Phänomen Spontanheilung

Teurer ist da schon der Gang zu Elektronikexperten und Reparaturdiensten. Die lassen sich nämlich teilweise bereits den Blick ins Innere einer Maschine bezahlen. Viele Experten beklagen in diesem Zusammenhang, dass neue Geräte nicht mehr so einfach zu reparieren sind, oft ließen sich die Gehäuse nicht mehr gut öffnen, die Teile sind ineinander verbaut und es müssen gleich ganze Bauteile ausgetauscht ­werden, selbst wenn nur ein kleinerer Defekt vorliegt. Oft sind auch die Ersatzteile teuer.

Da lobt man sich doch das Phänomen der Spontanheilung, das Dominik Blacha beschreibt: „Geräte, die zuhause nicht mehr funktionieren, laufen bei uns einwandfrei.“ Das sei kein Witz, sagt er noch. Zum Beispiel bei Druckern gebe es die „Transportheilung“, da durch die Vibrationen beim Transport eingetrocknete Druckköpfe befreit werden können.

Und die eiernde alte Waschmaschine mit dem Trommel-Schaden? „Hochbetagte Modelle ohne fehleranfällige Elektronik sind oft robuster und einfacher zu reparieren als Maschinen der letzten 10 bis 15 Jahre“, schreiben die Experten von Stiftung Warentest. Dann hat die alte Miele-Waschmaschine wohl doch noch eine Chance verdient.

Experten und Laien an einem Werktisch

Bei einem Repair Café treffen sich Laien und Experten in einer Art kurzzeitig eingerichteter Selbsthilfewerkstatt, um gemeinsam kaputte Gegenstände zu reparieren. Die Veranstaltungen wollen unter anderem ein Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft setzen. 2009 schrieb die niederländische Umweltjournalistin Martine Postma das Konzept unter dem Namen Repair Café nieder. In Deutschland sind rund 500 Initiativen aktiv, die meisten organisiert im Netzwerk Reparatur-Initiativen (www.reparatur-initiativen.de). cast