Berlin Rentenversicherer wollen nicht zocken

Berlin / DIETER KELLER 14.07.2012
Die Reserven der deutschen Rentenversicherung wachsen zwar. Aber sie werfen kaum Zinsen ab. Denn Sicherheit steht bei der Anlage an erster Stelle.

Sicherheit geht für Ulrich Reineke über alles. Als Finanzchef der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Bund verwaltet er derzeit immerhin rund 17 Mrd. EUR Kapitalanlagen. Zusammen mit den regionalen Trägern, etwa der DRV Baden-Württemberg, sind es sogar 24 Mrd. EUR. Damit nähern sich die Reserven langsam dem Maximalbetrag von 1,5 Monatsausgaben, was gut 25 Mrd. EUR entspricht, weshalb 2013 der Beitragssatz gesenkt werden soll.

Allerdings werfen sie nur bescheidene Zinsen ab: 268 Mio. EUR im vergangenen Jahr waren zwar viel Geld. Aber zu den Gesamteinnahmen der Rentenversicherer von 256 Mrd. EUR trugen sie nur etwa 0,1 Prozent bei. Denn Reineke und seine Mitarbeiter sind alles andere als eine Zockertruppe. "Wir sind staubtrockene ängstliche Bürokraten, die Sicherheit über alles stellen", bekennt er mit Stolz. Pressemeldungen, er hätte Geld der Beitragszahler verspekuliert, wären ihm ein Gräuel. "Wir hatten bisher keinen einzigen Euro Verluste", betont der Herr über die Renten-Milliarden. Zwar sorgte 2008 bei der Lehman-Pleite die DRV Rheinland für Schlagzeilen, weil sie dort 44,5 Mio. EUR angelegt hatte. Aber das Termingeld war komplett abgesichert. Es dauerte nur etwas, bis sie darüber wieder verfügen konnte.

Termingeld verteilt auf etwa 45 Kreditinstitute ist praktisch die einzige Form, in der die Rentenversicherer ihr Geld anlegen, und das mit maximal 8 Monaten Laufzeit. Im Schnitt sind es 90 Tage. Neben der Sicherheit spielt dabei die Liquidität eine große Rolle: Es muss jederzeit gesichert sein, dass die DRV Bund insbesondere die Renten auszahlen kann. So hält sie zum Monatsende bis zu 1 Mrd. EUR an flüssigen Mitteln bereit für den Fall, dass bei der komplexen Überweisung an 20 Mio. Rentner etwas schief geht.

Im Prinzip könnten die Rentenversicherer auch Staats- und Unternehmensanleihen, Geldmarktfonds und sogar Optionen kaufen. Nur tun sie es nicht mit Blick auf die Sicherheit. Ganz tabu sind dagegen Aktien und andere Firmenanteile. Reineke ist froh, sich nicht unternehmerisch betätigen zu müssen.

Die Sicherheit hat ihren Preis: Die Verzinsung liegt derzeit weit unter der Inflationsrate. Wurden 2011 noch bis zu 1,5 Prozent pro Jahr erreicht, sind es derzeit nur noch etwa 0,6 Prozent.

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