RANDNOTIZ: Das Besondere der Banane

HELMUT SCHNEIDER 10.11.2012

Die anhaltende Krisendiskussion um den Euro führt zu der falschen Vorstellung, Europa sei im Grunde nichts anderes als eine einzige große Bananenrepublik, die nichts zustande bringe außer Tonnen Papiers an verqueren Verordnungen, die keiner liest, die aber dennoch in zwei Dutzend Sprachen übersetzt werden müssen.

Wegweisende Erfolge europäischer Politik geraten so aus dem Blick. Dies ist auch jetzt wieder zu befürchten, da ein geradezu historischer Durchbruch gelungen ist: Der Bananenkrieg, den Europa seit zwei Jahrzehnten gegen Lateinamerika führt, ist zu Ende. Wer jetzt fragt, was am Im- oder Export der gelben Frucht so weltbewegend sein kann, verkennt ihre wahre Bedeutung.

Gerade in Deutschland sollte man nicht daran erinnern müssen, was die Brüder und Schwester seinerzeit in der DDR am sehnlichsten vermissten. Womit wurde Deutschlands größter Torhüter aller Zeiten, der Titan, von feindlichen Fans beworfen? Nicht mit Äpfeln jedenfalls, die gut zu werfen wären. Die ehrenrührige Berufsbezeichnung des Bananen-Biegers hat der Volksmund aus Verdruss an einer EU gefunden, die es oft zu genau nimmt.

Wen wunderts, wenn - last not least - jedes Kind sein aufkeimendes Interesse an der Welt immer in die eine Frage fasst: Warum ist die Banane krumm?